Gesundheitswesen 2011; 73 - A186
DOI: 10.1055/s-0031-1283419

Health Technology Assessment (HTA) zur Effektivität von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Pflegepersonal

B Buchberger 1, R Heymann 2, N Pomorin 2, K Friepörtner 2, H Huppertz 2, P Geer 2, J Wasem 2
  • 1Universität Duisburg-Essen, Berlin
  • 2Universität Duisburg-Essen

Hintergrund: Dem wachsenden Anteil von Betagten und Hochbetagten an der Gesellschaft mit steigendem Pflegebedarf stehen älter werdende Belegschaften und Personalabbau im Pflegebereich gegenüber. Maßnahmen der BGF stellen eine Möglichkeit zur Verbesserung dieser Verhältnisse dar. Ziel des HTA im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information ist es, die Effektivität von Maßnahmen der BGF zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Pflegepersonal unter medizinischen, ökonomischen, sozial-ethischen und juristischen Aspekten zu beurteilen. Methoden: In 32 Datenbanken wird eine systematische Literaturrecherche nach englisch- und deutschsprachigen Publikationen seit 1990 durchgeführt. Darüber hinaus erfolgt eine Internet-Recherche und Sichtung der Referenzlisten identifizierter Publikationen. Die Literaturauswahl wird entsprechend der Ein-/Ausschlusskriterien von zwei unabhängigen Gutachtern getroffen. Datenextraktion, Evidenztabellen sowie die Bewertung des Verzerrungspotentials anhand des Tools der Cochrane Collaboration werden von einem Zweitgutachter überprüft. Ergebnisse: Es wurden elf Interventionsstudien und zwei systematische Übersichtsarbeiten identifiziert. In drei randomisierten kontrollierten Studien (RCT) und einer kontrollierten nicht randomisierten Studie (CCT) wurden Maßnahmen zur Verbesserung der physischen Gesundheit, in vier RCT und zwei CCT der psychischen Gesundheit und in einem RCT der physischen und psychischen Gesundheit untersucht. Die Studiendauern reichten von vier Wochen bis zu zwei Jahren, die Anzahl eingeschlossener Teilnehmer von 20 bis 345, im Median 56. Interventionen und Studienpopulationen waren überwiegend heterogen. Maßnahmen zur Verbesserung der physischen Gesundheit führten in drei Studien hinsichtlich von Beschwerden sowie Kraft und Beweglichkeit zu Veränderungen mit statistisch signifikanten Gruppenunterschieden. Aktive Teilnehmer an Interventionen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit konnten mit statistisch signifikanten Gruppenunterschieden von einer geringeren Einnahme von Analgetika, besserem Umgang mit Arbeitsbelastungen, verbesserter Kommunikationsfähigkeit und beruflicher Weiterbildung profitieren. Diskussion: Überwiegend kleine Populationen, ein hohes Verzerrungspotential und schlechte Berichtsqualität schränken die Aussagekraft der Studienergebnisse stark ein. Ein Vergleich der Resultate ist aufgrund der Heterogenität der Interventionsmaßnahmen und Studienpopulationen und infolge unterschiedlicher Studiendauern und Nachbeobachtungsphasen wenig sinnvoll. Schlussfolgerungen: Weitere Forschungsarbeiten mit größeren Stichproben, ausreichenden Studiendauern und Nachbeobachtungsphasen, geringerem Verzerrungspotential und besserer Berichtsqualität sind notwendig.

Literatur:

Higgins JPT, Altman D. Chapter 8: Assessing risk of bias in included studies. In: Higgins JPT, Green S. The Cochrane Collaboration. Cochrane handbook for systematic reviews of interventions. Chichester W, editor. Version 5.0.2 updated September 2008. 2008. Cochrane book series.