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DOI: 10.1055/s-0031-1283440
Gesundheitsförderung in der ambulanten Krankenversorgung: Subjektive Vorstellungen und Handlungskonzepte von Hausärzten und Pflegekräften
Einleitung/Hintergrund: Hausärzte und Pflegekräfte sind zahlenmäßig die beruflichen Hauptakteure in der ambulanten Krankenversorgung. In diesem, an Bedeutung wachsenden Gesundheitsdienstleistungssektor, wird beiden Berufsgruppen eine zentrale Schlüsselrolle für eine nachhaltige Gesundheitsförderung ihrer Zielgruppenklientel zugeschrieben (u.a. WHO 2000; WONCA-EUROPE 2002; SVR 2009). Was aber verstehen Hausärzte und ambulant tätige Pflegekräfte selbst unter Gesundheitsförderung? Welche subjektiven Vorstellungen und Handlungskonzepte verbinden sie mit der Durchführung einer patientenorientierten Gesundheitsförderung im Kontext ihrer alltäglichen Berufsausübung? Wie, wann und wo spielt Gesundheitsförderung in ihrem Handeln zurzeit eine Rolle? Diesen Fragen, die – von einzelnen Untersuchungen abgesehen (siehe Weidner 2004; Flick u.a. 2004; Bahrs/Matthiessen 2007) – in der Forschung bislang eher ein Schattendasein führen, wird im Rahmen der vorgestellten, kurz vor dem Abschluss stehenden Dissertationsarbeit nachgegangen. Daten und Methoden: In einer qualitativ-empirischen Studie, die sich methodisch an die Grounded Theory (Strauss/Corbin 1996) anlehnt, sind dazu episodische Interviews mit insgesamt 25 Pflegekräften und Hausärzten geführt worden. Zusätzliche Experteninterviews mit insgesamt 13 Patienten und pflegenden Angehörigen ergänzen triangulierend die erhobenen und zur Datenauswertung herangezogenen Daten Ergebnisse: Die Forschungsergebnisse verweisen auf eine prinzipielle Offenheit aller Studienteilnehmer gegenüber Gesundheitsförderung als integrativem Bestandteil der eigenen beruflichen Arbeit. Aber obwohl Pflegekräfte wie Hausärzte sich gegenüber dem Anliegen von Gesundheitsförderung grundsätzlich aufgeschlossen zeigen, herrscht in der beruflichen Praxis bei beiden Berufsgruppen eine auffällige Sprachlosigkeit und problematische Diffusität handlungsleitender Orientierungen vor. Die alltägliche Umsetzung bzw. Berücksichtigung gesundheitsfördernder Handlungstheoreme erweist sich im Denken und Handeln der Akteure eher als Ausnahme denn als Regel. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der explorativen Studie liefern wichtige Erkenntnisse zu den spezifischen Deutungs- und Handlungsmustern, auf die die befragten Gesundheitsdienstleister hinsichtlich der Wahrnehmung von Gesundheitsförderung im Rahmen ihrer alltäglichen Berufsausübung zurückgreifen. Zugleich untermauern sie deutlich einen erheblichen Bedarf an weiteren Qualifizierungs- und Professionalisierungserfordernissen in diesem Bereich, erlauben aber auch erste Hinweise für Möglichkeiten auf diesem Weg.
Literatur:
Bahrs, O.; Matthiessen, P.F. (Hrsg.) (2007): Gesundheitsfördernde Praxen. Die Chancen einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis. Huber: Bern. Flick, U. u.a. (2004): Gesundheit als Leitidee? Subjektive Gesundheitsvorstellungen von Ärzten und Pflegekräften. Huber: Bern Strauss, A.L.; Corbin, J. (1996): Grounded Theory. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Unveränderter Nachdruck der letzten Auflage. Beltz: Weinheim SVR (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen) (2009): Koordination und Integration. Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009 Weidner, F. (2004): Professionelle Pflegepraxis und Gesundheitsförderung. Eine empirische Untersuchung über Voraussetzungen und Perspektiven des beruflichen Handelns in der Krankenpflege. 3. Auflage. Mabuse: Frankfurt a.M. WHO Europa (World Health Organization, Regional Office for Europe) (2000): Erklärung von München. Pflegende und Hebammen – ein Plus für Gesundheit. EUR/00/5019309/6 00602–17. Juni 2000 WONCA EUROPE (Europäische Gesellschaft für Allgemeinmedizin) (2002): Die Europäische Definition der Allgemeinmedizin/Hausarztmedizin. WONCA EUROPE. URL: www.woncaeurope.org/.../EUROPAISCHE_DEFINITION DER_ALLGEMEINMEDIZIN_HAUSARZTMEDIZIN.pdf [Abruf am 09.10.2009]