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DOI: 10.1055/s-0031-1283615
Verletzen sich Jungen beim Sport häufiger und anders als Mädchen? – Bundesweite Repräsentativdaten aus dem Freizeit- und Leistungssport
Hintergrund: Weltweit haben unzählige Präventionskampagnen ein zentrales Ziel: Jugendliche zum Sporttreiben zu animieren. Eine Sportverletzung kann all diese Bemühungen zunichte machen. So können sich die physischen und psychischen Folgen einer Verletzung gerade in jungen Jahren auf eine lange Lebensdauer erstrecken. Wir berichten Daten zu Inzidenz, Ursache, Diagnose und Schwere ärztlich versorgter Sportverletzungen und untersuchen Geschlechterunterschiede im Verletzungsgeschehen. Daten und Methoden: Ausgewertet wurden dazu die Angaben von 7.451 Jugendlichen aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (im Alter von 11–17 Jahren) sowie erstmals auch Daten von 1.138 jugendlichen Nachwuchsleistungssportlern (im Alter von 14–17 Jahren). Letztere wurden von uns im Rahmen der German Young Olympic Athletes' Lifestyle and Health Management Study (GOAL study) zwischen Februar 2010 bis Januar 2011 im Rahmen eines vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft BiSP geförderten Projektes befragt. Ergebnisse: Unter den Jugendlichen, welche ausschließlich Schul- und/oder Freizeitsport trieben, verletzten sich im Laufe eines Jahres 7,7% (95%-KI: 7,0–8,6%) – meist durch Kollisionen (34,7%) und Stürze auf ebener Fläche (30,4%) oder aus der Höhe (22,9%). Die häufigsten Folgen waren Verletzungen des Muskel-Band-Apparates (Jungen: 58,9% vs. Mädchen: 60,2%; p>0,05) sowie Frakturen (Jungen: 29,9% vs. Mädchen: 20,0%; p<0,05). Neun von zehn Sportunfällen konnten ambulant behandelt werden. Die höheren Unfallzahlen bei Jungen (8,5% vs. 6,9%; p<0,05) ließen sich ausschließlich auf die ausgeprägtere Sportaktivität männlicher Jugendlicher zurückführen. Weder beim relativen Verletzungsrisiko (pro Stunde Sport), noch bei den Folgen bestanden – abgesehen von Frakturen – signifikante Geschlechtsunterschiede. Unter den jugendlichen Nachwuchsleistungssportlern waren innerhalb der letzten Saison 75,5% der Jungen und 65,4% der Mädchen verletzt und/oder krank und konnten nicht am Training und an Wettkämpfen teilnehmen. Auch unter Nachwuchsleistungssportlern war kein Geschlechterunterschied nachweisbar (p>0,05). Schlussfolgerungen: Wir konnten für jugendliche Schul- und Freizeitsportler zeigen, dass nach Konstanthaltung der Expositionsdauer der Geschlechtsunterschied bezüglich des Verletzungsrisikos vollständig verschwindet. Auch hinsichtlich der Mechanismen und Folgen fanden sich keine Geschlechtsunterschiede. Ähnliches Bild zeigte sich auch für jugendliche Nachwuchsleistungssportler.