Gesundheitswesen 2011; 73 - A129
DOI: 10.1055/s-0031-1283638

Warum rauchen Mütter? Analyse des Einflusses der Lebenslage und psychischer Faktoren auf den Tabakkonsum von Frauen minderjähriger Kinder

S Sperlich 1, K Illiger 1, S Geyer 1
  • 1Medizinische Soziologie, Hannover

Einleitung/Hintergrund: Auf der Datenbasis einer Bevölkerungsstudie wurde der Einfluss sozialer und psychischer Faktoren auf den mütterlichen Rauchstatus untersucht. Daten und Methoden: Die Analysen beruhen auf einer bundesweiten Erhebung von 17- bis 60-jährigen Müttern mit minderjährigen Kindern. Signifikante Unterschiede im Tabakkonsum in Abhängigkeit von der Lebenslage (sozialer und familiärer Status, elterliche Stressoren, soziale Unterstützung) und psychischer Faktoren (Stressbewältigungskompetenz, psychische Gesundheit) wurden mittels Chi2 Tests nach Pearson bestimmt. Die Analyse der relativen Bedeutung der einzelnen Einflussfaktoren erfolgte im Rahmen multinominaler logistischer Regressionsrechnung. Ergebnisse: 30,0% der Mütter gaben an, täglich zu rauchen, knapp 11% waren Starkraucherinnen (≥20 Zig./Tag). Eine geringe Schulbildung erwies sich als bedeutsamster sozioökonomischer Prädiktor für einen täglichen Tabakkonsum. Darüber hinaus stellten ein geringes Einkommen, Vollzeiterwerbstätigkeit, Ein-Elternschaft sowie Belastungen durch Konflikte mit dem (Ex-)Partner und durch die berufliche Situation signifikante lebenslagenbezogene Einflussfaktoren auf den mütterlichen Tabakkonsum dar. Hingegen waren typische mit der Lebensphase der Kindererziehung verbundene Stressoren, wie Belastungen durch den Haushalt, Vereinbarkeitsprobleme oder Belastungen durch den ständigen Familieneinsatz nicht mit einem erhöhten, sondern zum Teil sogar mit einem unterdurchschnittlichen Tabakkonsum verbunden. Bezüglich personenbezogener Faktoren konnten vor allem negative Stressbewältigungsstrategien aber auch Depressivität als Risikofaktoren für den Tabakkonsum identifiziert werden. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Befunde legen nahe, dass dem mütterlichen Rauchverhalten multiple Ursachen zugrunde liegen, die für geeignete Interventionsmaßnahmen sowohl die Berücksichtigung der aktuellen Lebenslage als auch lebensgeschichtlich erworbener psychischer Faktoren erforderlich machen.