Akt Neurol 2011; 38(06): 283
DOI: 10.1055/s-0031-1285871
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

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H. C. Hopf
1  Neurologische Universitätsklinik, Mainz
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Publikationsdatum:
14. Oktober 2011 (online)

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Prof. Dr. med. H. C. Hopf

Seit geraumer Zeit sind vielversprechende bis sehr gute Optionen in der Therapie vieler Krankheiten des zentralen Nervensystems verfügbar. Und viele neue Konzepte harren der Ausarbeitung für den klinischen Einsatz. Entsprechend haben sich die Aufmerksamkeit und das wissenschaftliche Interesse der Neurologen diesem Bereich zugewendet. Parallel dazu ist die periphere Neurologie gleichsam aus dem Blickfeld geraten und scheint heute wenig Attraktivität auszustrahlen. Große wissenschaftliche Meriten werden auf diesem Feld nicht mehr für erreichbar gehalten. Das ist aus der Zahl der Beiträge zu diesen Themenkreisen auch in der Aktuellen Neurologie deutlich abzulesen.

Dabei spielt wohl auch eine Rolle, dass die Neurologen mit intensivem Interesse an der peripheren Neurologie verstummt sind. Hans Schliack und Marco Mumenthaler hatten es verstanden, die Kunst der Diagnostik von Lokalisation und Art der Läsion eines peripheren Nervs zu einem ­Erlebnis werden zu lassen. Doch dieses Kapitel scheint abgeschlossen und inzwischen haben die Neurologen zugelassen, dass Teile der peripheren Neurologie in Nachbardisziplinen „abgewandert“ sind. Das hat sich leider mit nicht so günstigen Resultaten verbunden, wie ich in einer Reihe von Gerichtsgutachten feststellen musste.

Der Beitrag über das operative Vorgehen zur Dekompression des N. ulnaris am Ellbogen infolge chronischer Druckschädigung von Füllbier und Renz in diesem Heft greift die periphere Thematik wieder auf. Er erinnert daran, dass auch ­kleine Veränderungen im therapeutischen Vorgehen eine Verbesserung für den Patienten durch Reduktion von Komplikationsrisiken erreichen können.