Akt Neurol 2011; 38(05): 221
DOI: 10.1055/s-0031-1285915
Editorial
George Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Herr, lass Hirn regnen!

Lord, Give Them Brains!
H. C. Diener
1  Universitätsklinikum Essen
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Publication Date:
05 September 2011 (online)

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Prof. Hans Christoph Diener

Eine der schlimmsten Fehlleistungen der vergangenen Bundesregierung war die Änderung der Approbationsordnung im Oktober 2003. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte am Ende des 6. klinischen Semesters die schriftliche Prüfung, dann das praktische Jahr und abschließend die mündliche Prüfung. Die neue Approbationsordnung legte alle Prüfungen ans Ende des Studiums in Form des „Hammerexamens“. Diese Regelung wurde trotz heftigster Proteste der Medizinstudenten, der Lehrenden an den Fakultäten, dem Fakultätentag und den Universitätskliniken durchgesetzt. Die neue Approbationsordnung widersprach allen Erkenntnissen der Lernpsychologie und war in der Folgezeit auch eine erhebliche Bürde für die Medizinstudenten. Zu einem Zeitpunkt, zu dem sie den Höhepunkt ihres medizinischen Wissens akkumuliert hatten, mussten sie ins praktische Jahr eintreten und sich dann während ihrer Tätigkeit in der Klinik auf das Hammerexamen vorbereiten. Für die Prüfer kam noch erschwerend hinzu, dass die mündliche Prüfung unnötigerweise auf 2 Tage ausgedehnt wurde. Prüfer in medizinischen Prüfungen sind in aller Regel so kompetent, dass sie bereits nach relativ kurzer Zeit ermessen können, wie es um das Fachwissen und das klinische Wissen von Prüfungskandidaten bestellt ist. Acht Jahre nach Einführung des Hammerexamens ist jetzt mit dem neuen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr offenbar wieder Intelligenz und rationales Denken ins Bundesgesundheitsministerium eingezogen. Beim medizinischen Fakultätentag in Rostock hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr bereits angekündigt, dass die Approbationsordnung jetzt geändert werden soll und die schriftliche Abschlussprüfung direkt im Anschluss an die klinischen Semester erfolgt. Die mündliche Prüfung soll dann – wie in der Vergangenheit – nach dem PJ stattfinden. Die erfreuliche Entwicklung hier ist, dass sich die Medizinstudenten im PJ dann wirklich wieder vollzeitig auf den Erwerb klinischer Fähigkeiten konzentrieren können und nicht die Hälfte des PJs damit vertun, sich auf die schriftliche Prüfung vorzubereiten. Der Ankündigung muss jetzt allerdings noch die gesetzliche Umsetzung folgen, die der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat bedarf. Es besteht aber berechtigte Hoffnung, dass sich das Medizinstudium zum besseren ändert.