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DOI: 10.1055/s-0031-1286484
Einfluss des Systemischen Lupus erythematodes auf die ovarielle Reserve bei prämenopausalen Frauen – Evaluation mittels Anti-Müller-Hormon
Fragestellung: Der Systemische Lupus erythematodes (=SLE) ist eine Autoimmunerkrankung, die überwiegend Frauen betrifft. Viele Frauen erkranken in ihrer reproduktiven Phase, so dass die Erkrankung einen negativen Einfluss auf die Familienplanung hat. Bei aggressivem Therapieverlauf ist auch heute noch eine Behandlung mit Cyclophosphamid notwendig. Folgen können die Schädigung der Ovarfunktion bis hin zum Verlust der Fertilität sein. Allerdings kann die Ovarfunktion auch durch eine Autoimmun-Oophoritis eingeschränkt sein. Wir untersuchten die Fragestellung, ob bereits die Erkrankung an sich und ohne vorausgehende Cyclophosphamid-Therapie einen negativen Einfluss auf die Anzahl der Follikel im Ovar, die sogenannte ovarielle Reserve, bei prämenopausalen Frauen hat.
Methode: Wir bestimmten die ovarielle Reserve mittels des Markers Anti-Müller-Hormon (=AMH) bei 33 prämenopausalen SLE-Patientinnen ohne vorausgegangene Cyclophosphamid-Therapie und verglichen diese mit den AMH – Werten von 33 gesunden, altersgleichen Patientinnen. Erfragt wurden in beiden Gruppen die Anzahl der vorausgegangenen Schwangerschaften, Fehlgeburten und Geburten, das Menarchealter, die Zyklusanamnese und der Gebrauch von oralen Kontrazeptiva. Bei den SLE-Patientinnen wurden noch die Krankheitsintensität mittels SLEDAI und ECLAM erfasst, die Krankheitsdauer und diese Daten mit der ovariellen Reserve korreliert.
Ergebnisse: Die AMH-Werte in der Gruppe der Lupus-Patientinnen waren signifikant niedriger als in der gesunden Kontroll-Gruppe. Der Vergleich der Anzahl der Schwangerschaften, Fehlgeburten und geborenen Kinder zeigte einen Trend zu weniger Kindern und mehr Fehlgeburten in der Lupus-Gruppe, dieser Unterschied war statistisch jedoch nicht signifikant. Es fand sich keine Korrelation zwischen den AMH-Werten der Lupus-Patientinnen und der Krankheitsdauer und Krankheitsintensität.
Schlussfolgerung: Unsere Studie ist die erste, die die ovarielle Reserve bei Lupus-Patientinnen ohne Cyclophosphamid-Vorbehandlung untersuchte. Wir fanden trotz einer milden Krankheitsaktivität (Median SLEDAI 2,27) eine signifikant niedrigere ovarielle Reserve als bei gesunden, altersgleichen Frauen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer Beratung über fertilitätsprotektive Maßnahmen bei jungen SLE-Patientinnen vor einer Cyclophospamid-Therapie.