Gesundheitswesen 2011; 73(11): 737-743
DOI: 10.1055/s-0031-1291268
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Infektionshygienische Überwachung durch Gesundheitsämter – Empfehlungen (nicht nur) für den ÖGD in Rheinland-Pfalz

Surveillance of Hygiene by Local Public Health Authorities – Recommendations (not only) for the Public Health Service in Rhineland-Palatinate
J Rissland
1   für die „Arbeitsgruppe Infektionshygienische Überwachung“
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Publication Date:
23 November 2011 (online)

Zusammenfassung

Vorbeugender Gesundheitsschutz vor vermeidbaren Infektionen und deren Weiterverbreitung bedarf sowohl einer kontinuierlichen Beobachtung der Situation vor Ort als auch der Vorgabe von bestimmten Hygienestandards und Beratung zu deren Umsetzung. Dies gilt insbesondere in infektionsrelevanten Einrichtungen, bei denen durch die Art der durchgeführten Verfahren ein erhöhtes Risiko für Patienten, Personal und die Gemeinschaft gegeben ist. Diese „infektionshygienische Überwachung“ ist eine originäre Aufgabe der unteren Gesundheitsbehörden (Gesundheitsämter) in den einzelnen Kommunen. Während die Art der zu prüfenden Einrichtungen im Infektionsschutzgesetz (IfSG) als Bundesgesetz und in verschiedenen Landesgesetzen (z. B. über den Öffentlichen Gesundheitsdienst) ausreichend geregelt ist, gibt es hinsichtlich Begehungsfrequenzen und Umfang keine eindeutigen Aussagen. Da mit Einführung des IfSG auch eine Ausweitung der Überwachungsaufgaben verbunden war, der jedoch in aller Regel keine entsprechende Personalzuweisung gegenüberstand, ist eine Bewertung des Infektionsrisikos als Grundlage einer effektiven Arbeitsplanung sinnvoll. In Rheinland-Pfalz hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie ein Konsenspapier erstellt, das die Anforderungen an die Begehungsfrequenzen für die einzelnen Einrichtungen aus fachlicher Sicht beschreibt. Dabei wurde aus einer empirisch basierten Bewertung des Infektionsrisikos unter Berücksichtigung der vorliegenden und publizierten Erkenntnisse über Schwachpunkte und Problemfelder der Infektionshygiene in den einzelnen Einrichtungen ein Grundmuster für das Begehungsintervall abgeleitet. Hohes Infektionsrisiko bedingt eine jährliche Überprüfung, während mittlere und niedrige Risikobewertungen mit drei- bzw. fünfjährlichen Begehungsfrequenzen verknüpft sind. Dieses Schema der infektionshygienischen Routinebegehung beschreibt einen Mindeststandard, der in allen Kommunen von Rheinland-Pfalz (und möglicherweise auch darüber hinaus) angewandt werden soll. Es enthält neben Empfehlungen zur risikobasierten Begehungsfrequenz auch Hinweise zur fachlichen Kompetenz bei der infektionshygienischen Überwachung. Die praktische Umsetzung dieses Mindeststandards soll einerseits dazu dienen, Transparenz, Berechenbarkeit und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen. Andererseits soll mit den Empfehlungen zur infektionshygienischen Überwachung durch Gesundheitsämter ein weiterer Baustein etabliert werden, der im Zusammenwirken mit den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionspräven­tion (KRINKO) als „Verständigungsgrundlage“ für den fachlichen ­Dialog mit den entsprechenden Institutionen dient.

Abstract

Protection against communicable diseases and the prevention of their transmission require continuous surveillance by the public health service. There is also a need for targeting certain ­hygiene standards and expert advice concerning their application, especially in institutions where medical interventions provide an increased risk for patients, staff and the public (e. g., intensive care units in hospitals or ambulatory dialysis centres). While the kind of institutions at risk is sufficiently governed in the German law (either at national or state level), the frequency of side visits as well the content and depth of surveillance activities lack adequate regulation. As the implementation of the national Protection against Infections Act in 2001 has enlarged the work load of local public health authorities without adequate staff compensation a risk-based strategy is required for efficient work scheduling. In Rhineland-Palatinate a task force of experts mandated by the ministry of health has developed recommendations on how often and with which expertise side visits should be performed. Based on published evidence and expert knowledge, an assessment of the institutional risk has been conducted leading to concrete patterns. High risk areas should be monitored every year, whereas three-year and five-year intervals are sufficient for institutions at middle or low risk respectively. This scheme represents a standard which should be applied by all public health departments in the state (and maybe also in other states). On the one hand the execution of this standard is expected to ascertain more transparency, predictability and comprehensibility for all involved parties. On the other hand the time and qualification pattern complements the general guidelines of the national steering committee for hospital hygiene and infectious disease protection (KRINKO). It is hoped that the combination of both elements will support the professional ­dialogue between public health authorities and representatives of the affected institutions ­leading to a common understanding of what communicable ­disease protection is all about.

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*  Mitglieder der AG (in alphabetischer Reihenfolge): Dr. Petra Anger (KV Mayen-Koblenz/GA Koblenz), Dr. Bernhard Bornhofen (früher: Landesuntersuchungsamt/IHIS Landau), Dr. Henner Habicht-Thomas (Bundeswehr/SanKdo II, Diez), Fr. Ruth Herrmann (KV Rhein-Hunsrück/GA Simmern), Dr. Sebastian Kevekordes (KV Rhein-Pfalz/GA Ludwigshafen), Dr. Thomas Kienbaum (KV Bad Dürkheim/GA Bad Dürkheim), Dr. Heinz-Ullrich Koch (KV Südwestpfalz/GA Pirmasens), Dr. Jürgen Rissland (früher: Landesuntersuchungsamt/Abteilung Humanmedizin, Koblenz), Dr. Ute Teichert-Barthel (KV Ahrweiler/GA Ahrweiler), Dr. Marie-Luise Ternes (Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung/Koblenz), Fr. Nicole Walter (KV Rhein-Pfalz/GA Ludwigshafen), Dr. Dagmar Welker-Martin (KV Rhein-Hunsrück/GA Simmern), Hr. Thomas Zeutzheim (Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung/Koblenz), Fr. Claudia Zydek-Krüger (KV Mainz-Bingen/GA Mainz )