Sprache Stimme Gehör 2011; 35(03): e87-e88
DOI: 10.1055/s-0031-1291984
Der kleine Repetitor
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Was sind Stimmregister?

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Publication Date:
30 September 2011 (online)

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Die Stimmgebung läuft nicht in allen Bereichen des Frequenzspektrums nach gleichen Prinzipien ab. Besonders deutlich wird dies bei Männerstimmen, wenn diese willkürlich, zumeist in hohen Lagen, eine weibliche Stimme imitieren. Hierbei ändert sich maßgeblich der Klangcharakter. Solche Klangänderungen stellen Grenzen einer sonst kontinuierlichen Stimmfunktion dar. Tonhöhenbereiche mit ähnliche Klangeigenschaften werden als Stimmregister bezeichnet (Abschnitt "Registerbezeichnungen", im Internet unter www.thieme-connect.de/ejournals/ssg).

Die Frage nach den zugrunde liegenden Mechanismen der Stimmregister gehört zu den meist diskutierten Themen der Stimmphysiologie. Schon seit Jahrhunderten wird nicht nur die Anzahl solcher Register sondern auch ihre Entstehungsquellen kontrovers diskutiert.

Bereits im Jahre 1840 äußerte Garcia die Vermutung, dass die Stimmregister durch ein innerhalb des Registers gleiches laryngeales mechanisches Prinzip gekennzeichnet sind. Wenn man Untersuchungen hinsichtlich des männlichen Brust- oder Modalregisters auf der einen Seite und des Falsetts auf der anderen Seite heranzieht, zeigen sich in der Tat Unterschiede: So schwingt im Modalregister mehr Masse der Stimmlippe, der Stimmlippenschluss ist länger, die Muskelaktivität des M. vocalis überwiegt gegenüber der des M. cricothyroideus.

Jedoch vernachlässigt diese rein laryngeale Beschreibung andere mögliche Einflussfaktoren, vornehmlich des Vokaltraktes. In den letzten Jahren sind gerade diesbezüglich neue Erkenntnisse entstanden. So konnte gezeigt werden, dass sich Vokaltrakteinstellungen und Resonanzfrequenzen zwischen den Registerfunktionen unterscheiden. Des Weiteren spricht für einen maßgeblichen Einfluss des Vokaltrakts, dass der Übergang des weiblichen oberen Registerüberganges zwischen Mittel- und Kopfregister in dem Bereich des Schallspektrums zu hören ist (ca. 750Hz), in welchem der erste Vokalformant des Vokals /a/ liegt. Erreicht die Grundfrequenz diesen Frequenzbereich, sind bei Sängerinnen starke Modifikationen des Vokaltraktes nachweisbar.

Neuste Untersuchungen zu Registerfragen widmen sich darüber hinaus nicht linearen Eigenschaften biologischen Gewebes. Hinsichtlich der Nicht-Linearität wird von einigen Wissenschaftlern aus Modellversuchen angenommen, dass die akustischen Wellen, die sich an den Stimmlippen bilden, sowohl im Vokaltrakt als auch in subglottischen Arealen (v.a. Subglottis und Luftröhre) verzögert reflektiert werden könnten, ein Effekt, der wiederum die Schwingungen der Stimmlippen beeinflussen könnte.