Rofo 2012; 184 - VO206_3
DOI: 10.1055/s-0032-1311081

FLAIR-hyperintenses Gefäßzeichen, Infarktgröße und Mismatch – eine prospektive Beobachtungsstudie beim nicht mit Lyse oder Thrombektomie behandelten akuten ischämischen Schlaganfall

M Gawlitza 1, J Gragert 2, D Lobsien 2, U Quäschling 2, D Fritzsch 2, KT Hoffmann 1
  • 1Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Leipzig
  • 2Universitätsklinikum Leipzig, Abteilung Neuroradiologie, Leipzig

Ziele: Die Entwicklung der Infarktgröße und des Mismatches sowie die prognostische Aussage des FLAIR-hyperintensen Gefäßzeichens (FHG) wurden prospektiv in der ersten Woche nach ischämischem Schlaganfall evaluiert. Methode: Bei 65 konsekutiven Patienten mit einem akuten supratentoriellen ischämischen Schlaganfall und kontraindizierter systemischer oder lokaler Lyse/Rekanalisation wurde zum Aufnahmezeitpunkt (d1) sowie nach 7 Tagen (d7) ein cMRT durchgeführt. Das FHG wurde dichotom eingeteilt. Die Größe der Läsionen in der Diffusions-(DWI) und Perfusions-(PWI) Bildgebung wurde volumetrisch bestimmt, der Infarkttyp wurde als mikroangiopathisch (MAI) oder thrombembolisch (TEI) definiert. Die Berechnung des relativen Mismatchvolumens (rMV) erfolgte aus den Volumina der DWI-Läsion und des PWI-Defizits (rMV=VPWI/VDWI); die relative Änderung des Infarktvolumens (rIV) wurde aus den DWI-Läsionsvolumina an d1 und d7 bestimmt (rIW=VDWI[d7]/VDWI[d1]). Ergebnis: 43 Patienten (66,2%) zeigten TEI und 22 (33,8%) MAI. Die TEI waren größer (p<0,01) als die MAI und wiesen größere (p<0,001) absolute MV auf. Sowohl rMV als auch rIV differierten im Verlauf zwischen den Gruppen jedoch nicht signifikant. Das FHG trat in 19 Fällen (29%) und ausschließlich bei TEI auf. Nach Ausschluss flussrelevanter Carotisstenosen und -verschlüsse (n=13/65) zeigten die 17 verbliebenen FHG-positiven größere MV (65,1 vs. 9,6ml; p<0,01) und größere PWI-Defizite (72,1 vs. 12,6ml; p<0,01) als die 13 FHG-negativen TEI. Auch ein Trend zu größeren rMV ließ sich feststellen (Faktor 71,4 vs. 4,4; p~0,06). Auf das rIV hatte das FHG im Verlauf keinen Einfluss. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass MAI und TEI eine vergleichbare zeitliche Entwicklung von Läsions- und Mismatchvolumina durchlaufen, und dass ein positives FHG ohne flussrelevante Carotisstenose Ausdruck eines relevanten pialen Kollateralflusses und additives Zeichen einer ischämischen Penumbra sein kann. Kein Zusammenhang bestand zwischen FHG und Entwicklung der Infarktgröße.

Keywords: Ischämischer Schlaganfall, Entwicklung der Infarktgröße, Mismatch, FLAIR-hyperintenses Gefäß

Korrespondierender Autor: Gawlitza M

Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Liebigstraße 20, 04103 Leipzig

E-Mail: matthias.gawlitza@medizin.uni-leipzig.de