Z Gastroenterol 2012; 50 - P26
DOI: 10.1055/s-0032-1313865

Fäkale Bakterientherapie (Stuhltransplantation) bei therapierefraktärer Colitis ulcerosa – eine Pilotstudie

PK Kump 1, HP Gröchenig 3 , CM Hoffmann 5, G Gorkiewicz 2, S Lackner 3 , H Wenzl 1, W Petritsch 1, G Reicht 4, G Thallinger 7, S Trajanoski 6, C Högenauer 1
  • 1Klinische Abteilung für Gastroenterologie, Medizinische Universität Graz
  • 2Institut für Pathologie
  • 3 KH Barmherzige Brüder St. Veit
  • 4KH Barmherzige Brüder Graz
  • 5Univ. Klinik für Pädiatrie Graz, Abteilung Core Facility Molekularbiologie
  • 6Zentrum für Medizinische Forschung
  • 7Institut für Genetik und Bioinformatik, Universität Graz

Hintergrund: In der Pathogenese der Colitis ulcerosa (CU) spielt die intestinale Flora, bestehend aus 1013 –1014 Mikroorganismen, mit ihrer gesamten Vielfalt eine zentrale Rolle. Bei Patienten mit CU konnte eine Reduktion der Bakterienvielfalt beobachtet werden. Die Behandlung der CU erfolgt durch entzündungshemmende und immunsuppressive Medikamente. Bei fehlendem Ansprechen wird als ultima ratio auch eine totale Colektomie durchgeführt, welche jedoch oft zu einer verminderten Lebensqualität mit Inkontinenz, Pouchitis oder eingeschränkter Fertilität führt. Eine frühere Studie von 6 Patienten mit CU zeigt in allen Fällen eine anhaltende komplette klinische und endoskopische Remission nach fäkaler Bakterientherapie.

Methode: Im Rahmen dieser Pilotstudie wurden bei 6 Patienten mit schwerer, chronisch aktiver und bis dato therapierefraktärer CU eine fäkale Bakterientherapie durchgeführt. Dabei wurden einmalig jeweils ca 400ml filtrierter und mit NaCl verdünnter Fremdstuhl coloskopisch über das terminalen Ileum ins Colon appliziert. Endoskopische und histologische, wie auch klinische Kontrollen wurden am nächsten Tag, am Tag 10, 30 und am Tag 90 nach dieser Therapie durchgeführt

Ergebnis: Von 6 Patienten zeigten 2 eine anhaltende klinische und endoskopische beobachtet Verbesserung (Reduktion im Mayo bzw. Rachmilewitz Score um jeweils 3 bzw 4 Punkte). 4 von 6 Patienten zeigten keine anhaltende klinische bzw. endoskopische Verbesserung und wurden aufgrund zunehmender Krankheitsaktivität anderen Therapistrategien zugeführt (2 Patienten: Colektomie, 1 Patient: Calcineurininhibitor). Bei keinem der 6 Patienten wurde eine schwerwiegende Nebenwirkung beobachtet.

Diskussion: Insgesamt wurde bei keinem Patienten eine klinische und endoskopische Remission im Beobachtungszeitraum von 90 Tagen erreicht. Bei 2 Patienten führte die fäkale Bakterientherapie zu einer klinischen und endoskopischen Verbesserung. Die fäkale Bakterientherapie scheint in dieser Form jedoch sicher zu sein. Die einmalige Applikation einer fäkalen Bakterientherapie bei therapierefraktärer CU scheint keine signifikante Effektivität zu haben, ob eine Adaptierung der Methodik zu besseren Ergebnissen führt, ist derzeit unklar.

Literatur: Kaser A. et al. Gastroenterology 2011; 140: 1738–1747; Eckburg PB. et al. Science 2005; 308(5728): 1635–1638; Borody TJ et al. J Clin Gastroenterology 2003;