Dtsch med Wochenschr 2012; 137 - A283
DOI: 10.1055/s-0032-1323446

Populationsbezogene Gesundheitsinterventionen in der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal (IVGK) – Ein Überblick über die Gesundheits- und Krankheitsprogramme im Kinzigtal, die verbindende Konzeption sowie den ökonomischen Hintergrund

M Roth 1, C Daxer 1, M Auel 1, M Wetzel 1
  • 1Gesundes Kinzigtal GmbH, Haslach

Einleitung:

Die IVGK ist ein Modell zur regionalen integrierten Versorgung einer Population nach § 140 SGB V, getragen von einem Public Health Verständnis und Salutogenese-Konzept, finanziert über relative Einsparungen gegenüber der Durchschnittskostenentwicklung in Deutschland [1,2,3].

Methode/Fragestellung:

In der IVGK sind überproportional viel alte, multimorbide Versicherte eingeschrieben. Die interdisziplinäre Versorgung der Risiko-Patienten wird gemäß eines Chronic Care-Modells gewährleistet. MFA, Physiotherapeuten oder Trainer in Sportvereinen betreuen u.a. Patienten mit Herzinsuffizienz, Depression, Osteoporose, und Adipositas. Die Interventionen basieren auf den Konzepten Salutogenese u. Shared Decision Making [4,5]. Zielvereinbarungen zw. Patienten und Ärzten/Psychotherapeuten helfen bei der Umsetzung. Neben sekundärpräventiven und versorgungssteuernden Interventionen werden in der IVGK auch primärpräventive Interventionen realisiert. Ökonomisch basiert die IVGK auf ein Einsparcontracting [6], wobei die Freiheit der Arztwahl in vollem Umfang erhalten bleibt. Berechnungsgrundlage sind alle 31.000 Versicherten der AOK u. LKK im Kinzigtal, was eine Risikoselektion ausschließt.

Ergebnisse:

Die Überlebensrate der eingeschriebenen Mitglieder in der IVGK ist von 2005–2010 deutlich höher als die einer nach Propensity Scores gematchten Vergleichsgruppe von nicht eingeschriebenen und vorwiegend bei anderen Ärzten behandelten Versicherten. Exemplarisch werden die medizinischen Ergebnisse für Patienten mit Herzinsuffizienz, Osteoporose und Adipositas vorgestellt. Darüber hinaus werden die wirtschaftlichen Ergebnisse der Gesamtintervention und von Einzelinterventionen präsentiert.

Diskussion/Schlussfolgerungen:

Die positiven Effekte der Versorgungsprogramme zeigen sich sowohl im Gesundheitsnutzen als auch bei den Kosten. Zu diskutieren ist, ob die Effekte sich langfristig verstärken oder sich ein Niveau entwickelt, das keine Steigerungsmöglichkeiten erwarten lässt.

Literatur: [1] Amelung VE: Neue Versorgungsformen auf dem Prüfstand, in: Amelung VE, Hildebrandt H, Eble S (Hrsg.): Innovatives Versorgungsmanagement – Neue Versorgungsformen auf dem Prüfstand, Berlin, 2011, 3-16

[2] Hermann C, Hildebrandt H, Richter-Reichhelm M et al: Das Modell Gesundes Kinzigtal. Managementgesellschaft organisiert Integrierte Versorgung einer definierten Population auf Basis eines Einsparcontractings, Gesundheits- und Sozialpolitik 5-6/2006, 10-28

[3] Hildebrandt H et al: Integrierte regionale Versorgung in der Praxis: Ein Werkstattbericht aus dem ,,Gesunden Kinzigtal‘‘, Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh.wesen (ZEFQ) 105, 2011, 585–589

[4] Hildebrandt H, Michalek H, Roth M: Integriertes Management auf Augenhöhe – Anforderungen an eine konsistente Führungsphilosophie in IV Systemen am Beispiel Gesundes Kinzigtal, in: Amelung et al: Innovatives Versorgungsmanagement, Berlin, 2011, 215 – 226

[5] Siegel A, Zimmermann L, Stößel U: Dimensionen der Patientenorientierung in der Integrierten Versorgung am Beispiel Gesundes Kinzigtal, Public Health Forum 19 Heft 70, 2011, 15e1-15e3

[6] Hildebrandt H, Richter-Reichhelm M, Trojan A, Glaeske G und Hesselmann H: Die Hohe Kunst der Anreize: Neue Vergütungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen und der Bedarf für Systemlösungen, in: Sozialer Fortschritt 7/2009, 738-749