Kardiologie up2date 2012; 08(04): 321-334
DOI: 10.1055/s-0032-1325996
Koronare Herzerkrankung und Atherosklerose
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Präventive Kardiologie

Mahir Karakas
,
Wolfgang Koenig
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
20. Dezember 2012 (online)

Abstract

Cardiovascular disease (CVD) remains the major cause of premature death in Europe, even though CVD mortality has fallen considerably over recent decades. Importantly, it is strongly connected to lifestyle habits, one reason why preventive strategies are effective. While 50 % of the reductions seen in coronary heart disease (CHD) mortality relate to changes in risk factors, 40 % relate to improved treatments. The aim of this manuscript, which focuses on several important topics contained in the 2012 guidelines from the Fifth Joint Task Force of the European Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice, is to give an update of the present knowledge in preventive cardiology for physicians and other health care workers.

Kernaussagen
  • Kategorien: Nach dem europäischen Risikoalgorithmus SCORE wird das Risiko einer tödlichen kardiovaskulären Erkrankung innerhalb von 10 Jahren in 4 Kategorien eingeteilt.

  • Rauchen: Schädliche Effekte des (Passiv-)Rauchens sind nachgewiesen und beruhen u. a. auf einer systemischen Entzündung. Passivrauchen verändert bereits bei Kindern die entsprechenden Biomarker. Das Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen und in Restaurants ist eine effektive Maßnahme zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse.

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist einer der Grundpfeiler für die Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse. Multivitaminpräparate scheinen das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse nicht zu beeinflussen, Vitamin D könnte einen positiven Effekt in der Prävention der KHK haben.

  • Körperliche Aktivität: Jede Form körperlicher Aktivität reduziert das kardiovaskuläre Risiko. Umgekehrt nimmt das Risiko eines Herzinfarkts deutlich zu, wenn die kardiorespiratorische Fitness nur vergleichsweise wenig abnimmt.

  • Psychosoziale Faktoren: Psychosomatische Störungen bei kardiologischen Patienten sollten konsequent behandelt werden, weil Angst und Depression das Risiko sekundärer kardiovaskulärer Ereignisse deutlich erhöhen.

  • Hypertonie: Die arterielle Hypertonie ist ein unbestrittener kardiovaskulärer Risikofaktor. Zu den notwendigen Lebensstiländerungen gehören u. a. Gewichtskontrolle und regelmäßige körperliche Aktivität. Der systolische Blutdruck sollte unter 140 mmHg und der diastolische Blutdruck unter 90 mmHg gesenkt werden.

  • Diabetes mellitus: Beide Typen gehen mit frühzeitiger, akzelerierter Atherosklerose und in der Folge mit häufigeren kardiovaskulären Komplikationen einher. Diabetiker ohne Myokardinfarkt haben dasselbe Infarktrisiko wie nicht diabetische Re-Infarktpatienten. Der HbA1c-Wert sollte unter 7,0 % liegen (< 53 mmol/mol).

  • Hyperlipidämie: Erhöhte Cholesterinwerte stehen im eindeutigen Zusammenhang mit nicht tödlichem und tödlichem Myokardinfarkt. Statine haben einen eindeutigen Effekt auf wesentliche kardiale Endpunkte und die Gesamtmortalität in der Sekundärprävention der KHK, in der Primärprävention wird ihr Effekt noch kontrovers diskutiert. Die zusätzliche Senkung des CRP-Werts (neben der Senkung des LDL-Cholesterins) scheint sich positiv auf kardiovaskuläre Ereignisse auszuwirken.