Gesundheitswesen 2013; 75(08/09): 473-480
DOI: 10.1055/s-0033-1333743
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gewalterfahrungen in der Schwangerschaft: Prävalenzstudien in OECD-Ländern

Violence during Pregnancy: Prevalence Studies in OECD Countries
K. Liepe
1  Hochschule Fulda
,
B. Blättner
1  Hochschule Fulda
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
19 March 2013 (online)

Zusammenfassung

Gewalt in der Schwangerschaft kann mit gesundheitlichen Folgen für die Schwangere und das ungeborene Kind verbunden sein. In Deutschland ist die Datenlage zur Prävalenz unzureichend, eine Unterschätzung des Problems wahrscheinlich. Daher werden Daten aus anderen OECD-Ländern betrachtet. In den Datenbanken EMBASE (inkl. Medline), CINAHL, PsycINFO und SSCI wurden englisch- oder deutschsprachige Primär- und Sekundärstudien aus OECD-Ländern identifiziert, die zwischen 2004–2011 veröffentlicht wurden. Ausgeschlossen wurden Studien mit Erhebungsinstrumenten, deren Validität nicht eingeschätzt werden konnte. 20 Studien, die 6 unterschiedliche, teilweise modifizierte, Erfassungsinstrumente verwendet haben, wurden identifiziert. Die Prävalenzdaten in den OECD-Ländern variieren abhängig vom verwendeten Erhebungsinstrument und dem Studiendesign. Die Mehrheit der Studien unterschätzt die Prävalenz von Gewalt in der Schwangerschaft. Die Ergebnisse aus den Studien der OECD-Länder liegen im analysierten Bereich von Übersichtsarbeiten. Die in Deutschland erhobenen Daten befinden sich im unteren Spektrum. Dies legt nahe, dass in Deutschland das Problem bislang unterschätzt wird. Mehr Forschung mit valideren Instrumenten und besseren Studiendesigns ist notwendig.

Abstract

Violence during pregnancy can be associated with health consequences for both the pregnant woman und the unborn child. The available data on prevalence are insufficient in Germany, an underestimation of the problem is probable. Therefore data from other OECD countries are considered. Searching in the databases EMBASE (incl. Medline), CINAHL, PsycINFO and SSCI in English or German language, primary and secondary studies from OECD countries published from 2004 to 2011 were identified. Studies without a valid instrument were excluded. 20 studies using 6 different, partially modified instruments were identified. In OECD countries the prevalence data vary, depending on the instrument applied and the design of the studies. The majority of the studies underestimate the prevalence of violence during pregnancy. Study results from OECD countries are in the analysed range of the reviews. The data collected in Germany are at the bottom of the spectrum. This suggests an underestimation of the problem in Germany. Further research is needed using more valid instruments and better study designs.