Pneumologie 2013; 67 - P93
DOI: 10.1055/s-0033-1334559

Patient aus Kasachstan mit disseminierter polyresistenter Tuberkulose

K Husemann 1, M Kohlhäufl 1
  • 1Klinik Schillerhöhe, Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie, Gerlingen

Einleitung:

Neue Schnelltests zur Frühdetektion einer möglichen Multiresistenz werden bei Risikopatienten in der Tuberkulosediagnostik zunehmend eingesetzt. Wir berichten über den Fall eines Patienten aus Kasachstan, bei dem sich bei fehlenden Hinweisen für eine Rifampicinresistenz im Xpert® MBT/RIF-Test verzögert eine mit diesem Verfahren nicht detektierbare, polyresistente Tuberkulose herausgestellt hat.

Fallbericht:

Ein 50-jähriger in Kasachstan geborener Patient wird wegen kolikartigen abdominellen Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen stationär aufgenommen. Bei klinischem V.a. Appendizitis diagnostische Lapraoskopie und Appendektomie, histologisch vernarbte Appendix ohne Entzündungszeichen. In der ergänzenden Koloskopie granulomatöse und ulceröse Entzündung, primär als M. Crohn gedeutet. Im präoperativen Röntgen-Thorax verbreiterte Hili und fleckige Infiltrate bds.

Bei Nachweis von MBT-DNA in der BAL Zuweisung in unsere Lungenfachklinik. Bei uns im Sputum mikroskopisch säurefeste Stäbchen mit Nachweis von MBT-DNA ohne Anhalt für Rifampicin-Resistenz (Xpert® MBT/RIF-Test). Im Nachhinein in den Kolonbiopsaten ebenfalls Nachweis von MBT-DNA, damit gesicherter intestinaler Befall. Beginn einer 4fach-antituberkulösen Standardtherapie mit INH, RMP, EMB, PZA. Aufgrund Hepatotoxizität im Verlauf Verzicht auf PZA und Ersatz durch Levofloxacin. Mikroskopische Sputumkonversion nach 5 Wochen und Entlassung nach Hause.

Das definitive Resistogramm für Erstrangtherapeutika zeigt eine alleinige Sensibilität auf RMP. Wiederaufnahme und Einleitung 5fach-Therapie mit RMP, Capreomycin, Terizidon, Levofloxacin, Linezolid. Im Xpert® MBT/RIF-Test weiterhin kein Anhalt für Rifampicinresistenz trotz vorangehender zeitweiser „Monotherapie“. Nach Eingang des definitiven Resistogramms für 2nd line-Medikamente Therapiefortsetzung entsprechend den WHO-Empfehlungen mit RMP, Capreomycin, Levofloxacin, Terizidon. Kulturelle Konversion 6 Wochen nach Beginn der effektiven Therapie.

Fazit:

Bei Anwendung neuer, praktischer Verfahren zur schnellen Detektion von Resistenzen (z.B. Xpert® MBT/RIF-Test) kann im Einzelfall ein ungewöhnliches Resistenzmuster übersehen werden. Die definitive komplette Resistenztestung bleibt weiterhin unverzichtbar.