Pneumologie 2013; 67 - P284
DOI: 10.1055/s-0033-1334612

Einfluss des Body Mass Index auf das Rehabilitations-Outcome bei Patienten mit fortgeschrittener COPD

I Heinzelmann 1, R Glöckl 1, U Schönheit-Kenn 1, S Winterkamp 1, B Sczepanski 1, K Kenn 1
  • 1Schön Klinik Berchtesgadener Land, Schönau a.K.

Einleitung:

Pneumologische Rehabilitation (PR) wird für COPD-Patienten aller Body Mass Index (BMI)-Klassen angeboten und im klinischen Alltag praktiziert. Bislang standen v.a. Patienten mit Kachexie im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Die Rolle der Adipositas bei COPD-Patienten erlangt zunehmende Bedeutung. Ob es Effektunterschiede für stationäre PR in Abhängigkeit von den einzelnen BMI-Klassen vorhanden sind, ist bislang nicht geklärt.

Methodik:

973 konsekutiv seit 2000 zur stationären PR aufgenommene COPD IV-Patienten (Alter: 60 ± 10J, FEV1: 25,6 ± 8% pred.) wurden 4 BMI-Klassen zugeordnet (1. Untergewicht: < 18,5 kg/m2 [n = 141], 2. Normalgewicht: 18,5 – 24,9 kg/m2 [n = 465], 3. Übergewicht: 25,0 – 30,0 kg/m2 [n = 230], 4. Adipositas: > 30,0 kg/m2 [n = 137]). Jeder Proband nahm an einem stationären, multimodalen Rehabilitationsprogramm mit einer durchschnittlichen Dauer von 28 Tagen teil. Die PR beinhaltete u.a. die ärztliche Versorgung, Ausdauer- und Krafttraining, Atemtherapie, Schulungen und psychologische Betreuung. Alle Patienten führten als Outcome-Messung einen standardisierten 6-Minuten-Gehtest (ohne Vortest) zu Beginn und am Ende der PR durch.

Ergebnisse:

Die 6-Minuten-Gehstrecke (6MWD) der Patienten aller BMI-Kategorien unterschieden sich zu Beginn der PR nicht voneinander (1.: 255 ± 114 m, 2.: 267 ± 110, 3. 266 ± 111 m, 4.: 256 ± 99 m). Auch die Verbesserungen durch die PR zeigten keine Unterschiede (1.: 59 ± 72 m, 2.: 56 ± 63 m, 3.: 59 ± 55 m, 4.: 55 ± 62 m). Die Einsekundenkapazität (FEV1) war in den Gruppen mit höherem BMI höher (1.: 25,7 ± 8% Soll, 2.: 27,9 ± 8% Soll, 3.: 31,6 ± 8% Soll, 4.: 33,1 ± 8% Soll). Dabei unterschieden sich die Gruppe der Adipositas-Patienten (p < 0,001) und die der Untergewichtigen (p = 0,002) signifikant von den Normalgewichtigen.

Diskussion:

Der Benefit einer PR scheint unabhängig von den BMI-Kategorien der COPD IV-Patienten zu sein. Die initiale körperliche Leistungsfähigkeit scheint mit zunehmendem BMI trotz vergleichsweise besserer Lungenfunktion stärker eingeschränkt zu sein. Diese Ergebnisse sind diskordant zu anderen bislang publizierten Daten an einem kleineren, wenig eingeschränkten Kolletiv.