Pneumologie 2013; 67 - P524
DOI: 10.1055/s-0033-1334710

Vollremission symptomatischer ZNS-Metastasen unter Erlotinib nach zweijähriger Cetuximabtherapie eines pulmonalen Adenokarzinoms; ein Fallbericht

EM Kruse 1, D Misch 2, J Kollmeier 3, C Boch 3, T Blum 4, TT Bauer 3, T Mairinger 5
  • 1Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 2Abteilung für Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 3Klinik für Pneumologie Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 4Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 5Institut für Gewebediagnostik, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin

Einleitung:

Bei Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom, insbesondere einem Adenokarzinom mit aktivierender EGFR-Mutation, ist die Behandlung mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) wie Erlotinib ein wichtiger Bestandteil der tumorspezifischen Therapie geworden. Demgegenüber ist die Wertigkeit von EGFR-Antikörpern wie Cetuximab noch nicht abschließend geklärt. Den TKI wird zudem unterstellt, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Chemotherapien, die Blut-Hirnschranke überwinden können und ähnlich hohe Remissionsraten im ZNS erzielen, wie dies auch systemisch der Fall ist.

Fallbeispiel:

Wir berichten über den Fall einer 71-jährigen Patientin bei der im September 2008 ein Adenokarzinom der Lunge im Stadium IV diagnostiziert wurde. Als Erstlinienchemotherapie erhielt die Patientin vier Zyklen einer Chemotherapie in Kombination mit Cetuximab als wöchentliche Gabe. Hierunter konnte eine partielle Remission erreicht werden, die Cetuximabgaben wurden als Erhaltungstherapie fortgesetzt. Nach zwei Jahren Erhaltungstherapie zeigte sich ein systemischer Progress (hepatisch und ossär) mit im Vordergrund stehender symptomatischer Meningeosis carcinomatosa.

Wegen einer Klaustrophobie lehnte die Patientin eine Schädelbestrahlung ebenso ab wie eine intrathekale Chemotherapie. Daraufhin wurde eine Mutationsanalyse veranlasst und beim Nachweis einer aktivierenden EGFR Mutation aus dem initialen Tumorblock eine Therapie mit Erlotinib (150 mg täglich) eingeleitet. In dessen Folge kam es zu einer klinischen und bildmorphologischen Vollremission des ZNS-Befalls und zu einer partiellen Remission insgesamt. Die Therapie mit Erlotinib wurde bis zum Nachweis von progredienten Lebermetastasen über weitere neun Monate durchgeführt.

Diskussion:

Dieser Fall demonstriert die sequentielle Wirksamkeit unterschiedlicher EGFR-Therapien bei einem EGFR-mutierten/-abhängigen NSCLC und die effektive Behandlung von ZNS-Mestastasen durch eine TKI-Therapie.