Pneumologie 2013; 67 - P400
DOI: 10.1055/s-0033-1334746

Späte beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP) durch Carbapenemase-produzierendes Chryseobacterium gleum

M Brokat 1, S Wagner 2, T Blum 1, N Schönfeld 3, TT Bauer 3, H Rüssmann 2
  • 1Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 2Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Laboratoriumsmedizin, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin
  • 3Klinik für Pneumologie Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin

Einleitung:

Seit einigen Jahren stellen nosokomiale Pneumonien durch Carbapenemase-bildene Bakterien eine therapeutische Herausforderung dar. Wir berichten über eine mechanisch beatmete Patientin mit bilateraler Pneumonie durch den Gram-negativen Carbapenemase-Bildner Chryseobacterium gleum, der bisher als Pathogen oder Ko-Pathogen für VAP nicht beschrieben wurde.

Kasuistik:

Eine 76-jährige Patientin erkrankte nach mehrwöchiger invasiver Beatmung wegen ventilatorischer Insuffizienz bei exazerbierter COPD an einer bilateralen Pneumonie. Bei Verlegung in die Lungenklinik bestand eine Therapie mit Ciprofloxacin/Ceftazidim. Im auswärts entnommenen Trachealsekret (TS) wurde S. maltophila (Levofloxacin sensibel) nachgewiesen, die Therapie musste jedoch wegen Krampfanfällen nach zwei Tagen beendet und auf Imipenem umgestellt werden. Unter dieser Therapie normalisierten sich Entzündungswerte und Körpertemperatur, jedoch persistierte eitriges TS. Hieraus wurden P. aeruginosa angezüchtet und C. gleum isoliert. C. gleum wurde mittels MALDI-TOF MS (Matrix-Assisted-Laser-Desorption/Ionization-Time-Of-Flight-Mass-Spectrometry; Matrix-unterstützte Laserdesorptions/Ionisations-Flugzeit-Massenspektrometrie) identifiziert und war im Antibiogramm Piperacillin/Tazobactam (Pip/Taz) sensibel und Imipenem resistent. Der P. aeruginosa Stamm zeigte sich in der Kultur als Pip/Taz- resistent und Imipenem sensibel. Nach Erweiterung der antibiotischen Therapie um Imipenem/Cilastatin besserte sich der Allgemeinzustand der Patientin. Sie wurde extubiert und ohne Beatmung entlassen.

Schlussfolgerung:

Quantitative Kulturen sind der Goldstandard für die Identifikation von Ätiologien bei der VAP. In unserem Fall führte die MALDI-TOF Technik zur Identifizierung eines bis zu diesem Zeitpunkt nicht isolierten Agens. Nach Anpassung der antibakteriellen Therapie war der klinische Verlauf günstig, so dass die Ätiologie durch die o.g. Mischkultur nahe lag. Der Fall bestätigt die beobachtete Zunahme nosokomialer Infektionen durch Carbapenemase-bildende Bakterien. Die MALDI-TOF Technik beschleunigt die Diagnostik und wird in schwierigen Fällen vielleicht in Zukunft wichtig werden, um ätiologisch bedeutsame Mikroorgansimen zeitnah zu identifizieren.