Gesundheitswesen 2014; 76(01): 26-31
DOI: 10.1055/s-0033-1334933
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gewinnung hausärztlichen Nachwuchses – Zusammenhang zwischen praxisorientierter Lehre und Karriereentscheidung

Recruitment for General Practice – Relationship between Practice-Based Curriculum and Career Choice
T. Deutsch
1   Selbständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
,
S. Lippmann
1   Selbständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
,
T. Frese
1   Selbständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
,
H. Sandholzer
1   Selbständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
02. April 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund:

Die soziodemografische Entwicklung der Bevölkerung und Nachwuchsprobleme der Allgemeinmedizin gefährden in vielen Ländern zunehmend eine adäquate hausärztliche Versorgung. Bei der Gewinnung zukünftiger Mediziner für das Fachgebiet kommt den Universitäten eine tragende Rolle zu. Inwieweit konkrete allgemeinmedizinische Lehrangebote die tatsächliche Berufswahl von Absolventen beeinflussen können, ist noch nicht hinreichend untersucht.

Methoden:

Die vorliegende Untersuchung kombiniert im Studienverlauf erhobene Daten zur Teilnahme an allgemeinmedizinischen Lehrangeboten von Studierenden aus 5 Jahrgängen mit Daten einer späteren Absolventenbefragung.

Ergebnisse:

Die Rücklaufquote betrug 64,2%. Obwohl zu Studienbeginn lediglich 4,7% der Teilnehmer eine Karriere als Allgemeinmediziner bevorzugt hatten, war das Fachgebiet mit 12,3% die zweithäufigste Berufswahl unter den Teilnehmern. Von den angehenden Hausärzten hatten nur 18,5% diese Karriere bereits zu Studienbeginn geplant. Die angehenden Allgemeinmediziner hatten im Studienverlauf an allen fakultativen Angeboten des Fachgebiets (Wahlfach Vorklinik, Wahlfach Klinik, Famulatur, PJ-Tertial) häufiger teilgenommen. Zudem gaben sie häufiger an, im Studium berufliche Vorbilder in der Allgemeinmedizin kennengelernt und Erfahrungen mit ärztlicher Tätigkeit in ländlichen Gebieten gesammelt zu haben. Angehende Hausärzte bevorzugten häufiger eine spätere Arbeit im kleinstädtisch-ländlichen Raum.

Schlussfolgerung:

In der Zusammenschau weisen die vorliegenden Ergebnisse darauf hin, dass eine breit angelegte und praxisorientierte universitäre allgemeinmedizinische Lehre das Potenzial besitzt, Studierende für den Hausarztberuf zu gewinnen und regionale Präferenzen zu beeinflussen.

Abstract

Background:

Demographic change and recruitment problems in general practice are increasingly threatening an adequate primary care workforce in many countries. Medical schools play an important role in attracting young physicians to this field. The influence of the general practice curriculum on the career choice of graduates has not yet been sufficiently investigated.

Methods:

The present study combines continuously collected data of medical students concerning the participation in miscellaneous general practice courses with data of a later graduate survey.

Results:

Response rate was 64.2%. Although only 4.7% of the participants preferred a career in general practice at study entry, this specialty was, at 12.3%, the second most frequent career choice. Among the future general practitioners, only 18.5% had initially planned this career. The future general practitioners took part significantly more frequently in all facultative general practice courses. They reported more frequently to have met role models in general practice and to have gained experience in rural areas. Future general practitioners would more often prefer to work in rural areas in the future.

Conclusions:

Overall, the present results indicate that a broad and practice-oriented general practice curriculum has the potential to attract medical students to the specialty.