Gastroenterologie up2date 2013; 09(02): 95-110
DOI: 10.1055/s-0033-1344084
Darm/Anorektum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chronische infektiöse Diarrhö

Lukas Degen
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
14. Juni 2013 (online)

Kernaussagen

Definitionen

  • Diarrhö ist ursprünglich als zu häufige Entleerung von zu flüssigem Stuhl definiert, teilweise wird aber auch ausschließlich die verminderte Stuhlkonsistenz als Kriterium genannt.

  • Meist wird bei einer weniger als 2 – 3 Wochen anhaltenden Symptomatik von einer akuten, ab 4 Wochen von einer chronischen Form gesprochen.

Bakterien

  • Bakterien sind als Ursache einer chronischen Diarrhö ungewöhnlich, folgende Erreger kommen infrage: Tropheryma whipplei (Morbus Whipple), Mycobacterium tuberculosis, Yersinien, Aeromonas und Plesiomonas shigelloides.

Parasiten

  • Parasiten sind wesentlich häufiger für chronische Durchfälle verantwortlich als Bakterien. Insbesondere nach Auslandsreisen in entsprechende endemische Gebiete muss an Infektionen mit Parasiten gedacht werden.

  • Die Infektion mit dem Protozoon Giardia lamblia ist beim Menschen weltweit wahrscheinlich die häufigste parasitäre Krankheit. Die ebenfalls häufige Infektion mit Entamoeba histolytica verläuft bei 90 % der Betroffenen asymptomatisch.

  • Infektionen mit Kryptosporidien, Cyclospora cayetanensis und Isospora belli zeigen bei immunsupprimierten Patienten meist schwere Verläufe, während immunkompetente Menschen nur leichte Symptome aufweisen oder asymptomatisch bleiben.

  • Auch an intestinale Helminthen ist vor allem nach Reisen in subtropische und tropische Klimazonen zu denken. Die häufigsten Erreger sind Trichuris trichiura, Strongyloides stercoralis und Schistosomen.

Postinfektiöses Reizdarmsyndrom

  • Als postinfektiöses Reizdarmsyndrom bezeichnet man Reizdarmbeschwerden, die unmittelbar nach einer akuten infektiösen Gastroenteritis oder nach positiven bakteriellen Stuhlkulturen auftreten. Bei den meisten Betroffenen klingt die Symptomatik im Verlauf einiger Monate deutlich ab. Die genaue Pathogenese ist noch unklar.