NOTARZT 2013; 29 - A1
DOI: 10.1055/s-0033-1350091

Überprüfung des Inhaltes von selbstständig gewarteter Notfallausrüstung auf Stationen an einem Maximalversorgungskrankenhaus mit dezentraler Struktur; Aufbau einer zentralen Wartungseinrichtung

G Rücker 1, J Ahrens 1, G Nöldge-Schomburg 1, T Mencke 1
  • 1Klinik und Poliklinik für Anästhesie und Intensivtherapie, Rostock

Einleitung: Bei der Versorgung von 2 innerklinischen Notfällen in der Universitätsmedizin Rostock fielen Mängel der dortigen Notfallausrüstung auf. Es wurde daher eine zentrale Überprüfung der Notfallkoffer durchgeführt.

Methoden: Insgesamt wurden 41 Notfallausrüstungen auf Funktion und Inhalt geprüft. Bei der Überprüfung wurden Major- und Minormängel unterschieden. Majormängel waren definiert als das Fehlen von lebensrettenden Geräten oder deren Fehlfunktionen sowie das Fehlen von Reanimationsmedikamenten gemäß der aktuellen Leitlininen; Minormängel waren definiert als Mängel anderer Genese.

Ergebnisse: Von den 41 überprüften Notfallausrüstungen zeigten 38 Major-Mängel (93%). Bei 29 Ausrüstungen (71%) fehlte die Absaugpumpe, bei 16 (39%) fehlte der Beatmungbeutel, bei 32 fehlte das Blutdruckmessgerät (78%); Adrenalin fehlte bei 11 Ausrüstungen (27%) und Amiodaron bei 32 (78%). Durchschnittlich fanden sich 5,4 Major-Mängel pro Koffer.

Diskussion: Es wurden gravierende Mängel festgestellt. Hauptursachen waren fehlende Ausrüstungsteile, mangelhafte Wartung der Geräte und komplizierte Zugriffsmöglichkeit der Notfallausrüstung; das mangelnde Problembewußtsein lag an der seltenen Benutzung der Notfallausrüstung und an verminderter Expertise. Der Schulungsaufwand zur sachgerechten Wartung der Ausrüstung auf den peripheren Stationen stand in keinerlei Relation zur Einsatzhäufigkeit; ebenso fehlte die Erfahrung im Umgang mit Notfällen. Daher war eine Reorganisation der Notfallkoffer-Wartung erforderlich; dies erfolgte durch eine Zentralisierung der Wartung. Diese Zentralisierung erhöht die Sicherheit, da die Vollständigkeit der Koffer seit Beginn dieser Maßnahme sichergestellt wird. Leitlinien können zeitnah umgesetzt werden, d.h. durch standardisierte Ausrüstung wird das Training einfacher, jeder Nutzer im Klinikum ist am jedem Einsatzort mit der Ausrüstung vertraut; außerdem kann jederzeit ein benutzter Notfallkoffer durch einen funktionsfähigen Notfallkoffer ersetzt werden. Zusätzlich konnten wir die Kosten senken, insbesondere bei Mindestabnahmemengen von Verbrauchsmaterial und Medikamenten.

Fazit: Die Inzidenz der unzureichenden oder defekten Notfallausrüstung ist in großen medizinschen Versorgungseinrichtungen – wie an der Universitätsmedizin Rostock – ein erhebliches Potenzial für lebensbedrohliche Zwischenfälle, insbesondere wenn die Verantwortung der Bestückung und Wartung bei peripher gelegenen Stationen ohne hinreichende Notfallerfahrung liegt. Eine zentrale Standardisierung der Notfallausrüstung mit Koordination von einer in der Behandlung von Notfällen erfahrenen Abteilung, wie der Rostocker Simulationsanlage und dem Notfallausbildungszentrum (RoSaNa), senkt dieses Risiko erheblich. Die zentrale Koordination und Wartung von Notfallausrüstung kann daher uneingeschränkt von uns empfohlen werden.