Gesundheitswesen 2014; 76(06): 377-384
DOI: 10.1055/s-0033-1355370
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Statusspezifische Unterschiede im Auftreten von Übergewicht und Adipositas beim Übergang vom Kindes- in das Jugendalter – Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS)

Status-specific Differences in the Occurrence of Overweight and Obesity in the Transitional Period from Childhood to Adolescence – Results from the Cross-sectional German KiGGS Study
L. Krause
1   Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin
,
T. Lampert
1   Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
30 September 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund:

Einzelne Studien weisen darauf hin, dass gesundheitliche Ungleichheiten beim Übergang vom Kindes- in das Jugendalter abnehmen. Dabei liegen aber Hinweise darauf vor, dass dieser Effekt je nach betrachtetem Gesundheitsaspekt variieren kann. Der vorliegende Artikel untersucht diesen Effekt für Übergewicht und Adipositas.

Methodik:

Die Datenbasis ist eine Teilstichprobe des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), der vom Robert Koch-Institut in den Jahren von Mai 2003 bis Mai 2006 durchgeführt wurde (n=14 836, Alter=3–17 Jahre). In KiGGS wurden Körpergröße und -gewicht gemessen und der Body Mass Index (BMI) berechnet. Zur Beurteilung von Übergewicht und Adipositas wurden die von Kromeyer-Hauschild et al. ermittelten geschlechtsspezifischen Altersperzentile genutzt. Der soziale Status wurde über Angaben der Eltern zu ihrer schulischen und beruflichen Bildung, ihrer beruflichen Stellung und zu ihrem Haushaltsnettoeinkommen bestimmt.

Ergebnisse:

Jungen und Mädchen mit niedrigem Sozialstatus weisen in allen Altersgruppen die höchste Prävalenz von Übergewicht und Adipositas auf, diejenigen mit hohem Sozialstatus die geringste. Während die Befunde bei Jungen auf einen konstanten Einfluss des sozialen Status auf das Risiko für Übergewicht und Adipositas hindeuten, vergrößern sich die Statusunterschiede bei Mädchen im Altersgang. Wird das gesamte Altersspektrum betrachtet, besitzen Jungen der niedrigen im Verhältnis zu Jungen der hohen Statusgruppe ein 2,0-fach bzw. 2,2-fach erhöhtes Risiko für Übergewicht bzw. Adipositas. Bei Mädchen der niedrigen Statusgruppe ist das Risiko für Übergewicht bzw. Adipositas im Vergleich zur Referenzgruppe sogar um das 2,8-fache bzw. 4,4-fache erhöht.

Schlussfolgerung:

Die Befunde lassen einen deutlichen Einfluss des Sozialstatus auf das Auftreten von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und insbesondere im Jugendalter erkennen und unterstreichen damit die Relevanz einer möglichst früh einsetzenden, zielgruppenspezifischen Adipositasprävention und Förderung eines gesunden Lebensstils.

Abstract

Background:

Individual studies point out that health inequalities decrease in the transitional period from childhood to adolescence. However, there is evidence that this effect can vary depending on the health aspect that is used. The present study analyses this effect for overweight and obesity.

Methods:

Representative data was obtained from a subsample (3–17 years, n=14 836) of the German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents (KiGGS) which was conducted by the Robert Koch Institute from May 2003 to May 2006. Body height and weight were measured and body mass index (BMI) was calculated. Overweight and obesity are defined based on gender- and age-specific percentiles of BMI of the German reference system developed by Kromeyer-Hauschild and her colleagues. Socio-economic status (SES) was taken from information about parents’ income, occupational status and education.

Results:

Boys and girls with low SES show the highest prevalence of overweight and obesity in all age groups, those with high SES the lowest. While the results indicate a constant impact of SES on the risk for overweight and obesity in boys, the status differences increase over the age groups in girls. Regarding the whole age range, boys with low SES possess a 2.0-fold increased risk for overweight, and a 2.2-fold increased risk for obesity compared to boys with high SES. Girls from low status group even have a 2.8-fold risk to become overweight, and a 4.4-fold risk to become obese in comparison to the reference group.

Conclusion:

The findings reveal that SES has a significant impact on the occurrence of overweight and obesity in childhood and in particular adolescence. Therefore, the results underline the relevance of early childhood prevention in specific target groups and promotion of a healthy life style.