Der Klinikarzt 2014; 43(3): 129
DOI: 10.1055/s-0034-1373724
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Neue Entwicklungen bei arterieller Hypertonie

Joachim Hoyer
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
25. März 2014 (online)

Annähernd die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland hat eine arterielle Hypertonie. Durch ihre kardialen, zerebrovaskulären und renalen Folgeerkrankungen verursacht die Hypertonie bei den betroffenen Patienten übermäßig häufig akute Krankenhausaufenthalte und eine gesteigerte Mortalität. Nach den Erhebungen der neuesten Global Disease Burden-Studien sowie der WHO muss die arterielle Hypertonie als der weltweit wichtigste Verursacher tödlicher Erkrankungen angesehen werden.

Zudem stellt die arterielle Hypertonie in Deutschland eine große gesundheitsökonomische Belastung dar.

Es bedarf einer weiteren Optimierung der präventiven und therapeutischen Anstrengungen, insbesondere weil weniger als die Hälfte der Hypertoniker von ihrer Erkrankung wissen und bei weniger als der Hälfte der behandelten Patienten der Blutdruck effektiv eingestellt ist.

In den letzten Jahren hat es eine Vielzahl von Neuerungen in der klinischen Hypertensiologie gegeben. So wurden die Zielvorgaben für die Blutdrucktherapie an neueste Studiendaten angepasst, neue Blutdruckmedikamente und deren Kombinationen wurden evaluiert und neue interventionelle Therapieansätze klinisch getestet.

Das vorliegende Schwerpunktheft „Arterielle Hypertonie“ soll einen Überblick über diese neuen Entwicklungen geben und in speziell fokussierten Beiträgen einzelne Aspekte bezüglich der Behandlung von Risikogruppen und der interventionellen Hypertensiologie vertiefen.

Vor kurzem wurden die europäischen Hypertonieleitlinien aktualisiert. In ihrem Beitrag heben Derer et al. kurz und prägnant die für die tägliche Praxis wichtigsten Neuerungen hervor und geben Hinweise für deren praktische Umsetzung.

In der interventionellen Hypertensiologie hat die renale Denervierung eine enorme Aufmerksamkeit und eine möglicherweise voreilige Verbreitung erfahren. Vor dem Hintergrund neuester Studiendaten bedarf es dringend einer kritischen Evaluation dieser Methodik, die weiterhin nur in zertifizierten Zentren und ausschließlich bei „truly“ therapieresistenter Hypertonie, d.h. nach Ausschöpfung aller medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieoptionen, vorgenommen werden sollte. Im Beitrag von Vonend findet sich eine Darstellung der Simplicity-3-Studie, die aufgrund ihres modernen Studiendesigns mit Blindung, Randomisierung und Sham-Kontrollgruppe nunmehr belastbare Daten zur Effektivität der renalen Denervierung in der Hypertoniebehandlung liefert.

Patienten mit kardialer oder renaler Komorbidität gehören zu den Patientengruppen mit deutlich erhöhtem Risiko für hypertensive Folgeerkrankungen. In seinem Beitrag zur hypertensiven Kardiopathie gibt Maack einen exzellenten Einblick in die zugrundeliegenden Pathomechanismen und leitet daraus ein fundiertes Konzept für rationales diagnostisches und therapeutisches Vorgehen ab. In den letzten Jahren haben sich aus einer Reihe von nephrologischen Studien wichtige Hinweise für die Behandlung von nierenkranken Hypertonikern ergeben. Der aktuelle Stand der antihypertensiven Therapie bei Niereninsuffizienz wird in dem Beitrag von Hausberg zusammengefasst, der dabei wichtige differenzialtherapeutische Hinweise für die tägliche Praxis gibt. Von besonderer Bedeutung für Hypertoniker ist die Gefahr einer hypertensiven Krise, da sie mit zum Teil lebensbedrohlichen Folgen assoziiert ist. Lenz und Hoyer fassen die wichtigsten klinischen Kennzeichen und Organmanifestationen zusammen und geben einen Überblick über die spezifischen Anforderungen an die Therapie der hypertensiven Krise.