Palliativmedizin 2014; 15 - PD247
DOI: 10.1055/s-0034-1374418

Anstieg der Leitlinienadhärenz und 5-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeit im hessischen Brustkrebsnetzwerk Regio: ein Zeitvergleich (1996 – 97, 2003 – 04)

CO Jacke 1, M Kalder 2, U Wagner 2, US Albert 2
  • 1Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, AG Versorgungsforschung, Mannheim, Deutschland
  • 2Universitätsklinikum Marburg und Gießen, Standort Marburg, Brustzentrum Regio, Marburg, Deutschland

Hintergrund: Die Versorgungsqualität der deutschen Brustkrebsversorgung steht seit jeher in der Diskussion. Kooperierende Brustkrebsnetzwerke, Tumorboards, Qualitätsmanagement-Programme und S3-Leitlinien sind nur einige wenige Aspekte, die zu einer höheren Effektivität der Früherkennung, Therapie und Nachsorge beitragen sollen. Der vorliegende Beitrag zielte darauf ab, diese Anstrengungen für den stationären Versorgungsabschnitt zu bewerten.

Methoden: Das Brustkrebsnetzwerk Regio im Landkreis Marburg-Biedenkopf umfasst in den Untersuchungsperioden 1996 – 97 und 2003 – 04 drei Krankenhäuser, aus denen 389 und 488 Patientinnen mit einem primär therapierten Brustkrebs erfasst wurden. Invasive Karzinome ohne Fernmetastasen definierten die Stichproben, die zusätzlich nach regionaler Herkunft zu unterscheiden waren. Mit Bezug zum stationären Versorgungsaufenthalt wurden aus den Krankenakten periodenspezifische Qualitätsindikatoren extrahiert und zu je einem Adhärenzindex zusammenfasst. Der Index diente als Unterscheidungskriterium für die 5-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeiten, die mittels Cox-Regressionen geschätzt wurden.

Ergebnisse: Von den 877 gingen 743 Patientinnen in die Analysen ein (84,7%), zu denen insgesamt 103 Qualitätsindikatoren vorlagen. Der Adhärenzindex stieg von 15,1% (1996 – 97) auf 35,2% (2003 – 04) systematisch an. 5-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeiten stiegen im Zeitverlauf an, sind aber nicht systematisch. Mehr als drei nicht-adhärente Entscheidungen stehen im Verdacht, die temporäre Neigung des Versterbens (hazard ratios) zu steigern.

Schlussfolgerungen: Von einem niedrigen Niveau ausgehend und, trotz eines gewachsenen, breiteren und komplexerer Behandlungsspektrums, ist die prozessbezogene Versorgungsqualität um mehr als das doppelte gestiegen. Systematische Überlebensvorteile lassen sich nicht ableiten. S3-Leitlinien verlieren dadurch nicht an Relevanz, da sie den Ausgangspunkt für weitere medizinische und systematische Entscheidungen bieten.