Palliativmedizin 2014; 15 - PD248
DOI: 10.1055/s-0034-1374419

Analyse der Behandlungsströme von Patienten mit synchronen kolorektalen Lebermetastasen in Ostbayern

M McCool 1, C Apfelbacher 1, M Hartmann 2, M Gerken 3, M Klinkhammer-Schalke 3, J Loss 1
  • 1Universität Regensburg, Medizinische Soziologie, Regensburg, Deutschland
  • 2Universität Regensburg, Lehr- und Forschungseinheit Allgemeinmedizin, Regensburg, Deutschland
  • 3Tumorzentrum Regensburg e.V., Regensburg, Deutschland

Hintergrund: Es liegen nur wenige belastbare Daten zu Behandlungsströmen bei Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen (CLM) vor. Ziel dieser Studie war es daher, die tatsächlichen sequentiellen, sektorenübergreifenden Versorgungsabläufe von Patienten mit CLM in Ostbayern zu analysieren.

Methode: In einer deskriptiven Analyse wurden die Behandlungsströme von Patienten rekonstruiert, bei denen 2010 – 2011 ein Kolorektalkarzinom diagnostiziert wurde und bei denen zudem zeitgleich (synchron) Lebermetastasen auftraten (n = 295, davon 100 weiblich). Grundlage waren Daten der im Tumorzentrum Regensburg verlaufsbegleitend dokumentierten Tumorerkrankungen sowie ärztliche Befundberichte und Entlassungsbriefe.

Ergebnisse: Bei 60% der Patienten ergab sich der Verdacht auf CLM durch gastro-enterologische Beschwerden, in etwa gleichverteilt beim niedergelassen Arzt (35%) oder im Krankenhaus (43%) (22% unbekannt). Patienten wurden von Spezialisten in Krankenhäusern (74%) oder in Praxen (15%) diagnostiziert (11% unbekannt). Die mediane Zeit zwischen Verdacht und Diagnose lag bei 4 Tagen. Fast alle Patienten (97%) wurden für die Behandlung des Primärherdes und/oder der CLM in Krankenhäusern versorgt. Darüber hinaus wurden 270 der 295 Patienten in zertifizierten Darmzentren in Oberpfalz oder Niederbayern behandelt. Eine interdisziplinäre Therapie-Empfehlung (Tumorboard-Vorstellung) wurde bei 243 Patienten gegeben. Die mediane Zeit zwischen Diagnose und Therapie-Empfehlung lag bei 4 Tagen. Die Resektionsrate der CLM lag bei 27%.

Diskussion/Ausblick: Die Ergebnisse zeigen, dass die Versorgung von Patienten mit CLM in Ostbayern rasch erfolgt. Die große Mehrheit von Patienten wurde in zertifizierten Darmzentren gesehen, fast alle wurden mindestens ein Mal einem interdisziplinären Tumorboard vorgestellt. Die Resektionsrate dieser Population lag über der in der Literatur berichteten Rate (10 – 20%).