Palliativmedizin 2014; 15 - PD264
DOI: 10.1055/s-0034-1374435

Regionale Unterschiede bei Schulungen und Überweisungen. Befunde aus dem Disease Management Programm (DMP) Koronare Herzkrankheit (KHK) in Nordrhein

B Hagen 1, L Altenhofen 1, S Groos 1, J Kretschmann 1, A Weber 1
  • 1Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, DMP-Projektbüro, Köln, Deutschland

Fragestellung: Im Gegensatz zur Analyse der regionaler Differenzen bei der Häufigkeit von Herzkrankheiten wurden in der Vergangenheit Unterschiede in der Versorgungsqualität von Patienten mit KHK sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene kaum thematisiert. Ob solche auch in einer, hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Versorgungsstruktur eher als homogen anzusehenden Region wie Nordrhein vorliegen, wurde innerhalb des DMP KHK untersucht.

Methodik: Abhängig vom Praxisstandort erfolgte eine Zuordnung der 228.411 Patienten, die 2012 am DMP teilnahmen, zu einem der 26 nordrheinischen Kreise und eine Untersuchung der kreisspezifischen Hypertonieschulungs- und Überweisungsraten. Für weitere Indikatoren der Versorgungsqualität wurden die Kreise in Gruppen mit ähnlicher Durchschnittsrate unterteilt (Cluster-Analyse). In separaten multivariaten Analysen (logistische Regression) wurde die Bedeutung der Cluster-Zugehörigkeit gegenüber den Faktoren Alter, Geschlecht, Teilnahmedauer, fachärztliche Betreuung und Komorbidität für Schulungen und Überweisungen bestimmt.

Ergebnis: Die Raten für Schulungen (8 – 27% bzw. 14 – 53%) und Überweisungen (38 – 68% bzw. 52 – 82%) unterliegen großen kreisspezifischen Schwankungen. Bei hoher regionaler Versorgungsqualität steigt die Chance einer Überweisung (1,53; diagnosespezifisch: 1,44), sie sinkt für eine Schulungsempfehlung (0,86) (jeweils Odds Ratio). Parallel dazu steigt die Chance einer Schulungsempfehlung vor allem bei langer Teilnahmedauer (2,35) und die einer Überweisung bei Vorliegen kardio-vaskulärer Folgeerkrankungen (1,67 bzw. 1,51).

Schlussfolgerung: Neben relevanten Einflüssen der Teilnahmedauer und Komorbidität erweisen sich die Schulungs- und Überweisungsraten in Nordrhein auch als abhängig von der allgemeinen Versorgungsqualität in den Kreisen. Es ist zu vermuten, dass hierfür einerseits Unterschiede in der ärztlichen Kooperation, andererseits kreisspezifisch divergente Versorgungsangebote eine Rolle spielen.