Palliativmedizin 2014; 15 - PD273
DOI: 10.1055/s-0034-1374444

Rostocker Aufbruch zur psychosozialen Versorgung Jugendlicher und junger Erwachsener

CF Classen 1, P Kropp 2, M Freund 3, D Krogmann 1, K Reichel 4, T Nielsen 1, AM Kleinke 1, J Klasen 1, H Zettl 5, I Hilgendorf 3
  • 1Universitäts-Kinder- und Jugendklinik, Rostock, Deutschland
  • 2Institut für Medizinische Psychologie und Soziologie Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
  • 3Zentrum für Innere Medizin III, Rostock, Deutschland
  • 4Onkologisches Zentrum der Universitätsmedizin, Rostock, Deutschland
  • 5Klinisches Krebsregister Rostock, Rostock, Deutschland

Eine malignen Diagnose stellt Jugendliche und junge Erwachsene (adolescents and young adults, AYA) vor besondere Herausforderungen: fast alle Komponenten sinnerfüllten Lebens befinden sich in einer Phase der Weichenstellung. AYA sind unter Krebspatienten eine Minderheit und unterscheiden sich in medizinischer und psychosozialer Hinsicht deutlich von Kindern wie Erwachsenen. Mit einem Fragebogenset wurden das Befinden und die Wahrnehmung der Versorgungsqualität bei dem gesamten Jahrgang 2012 der ans Krebsregister Rostock gemeldeten AYA-Patienten und einer Vergleichsgruppe älterer Patienten eruiert. Es wurden folgende Bereiche erfasst: Lebensqualität (mittels SF-36), Persönlichkeit (NEO-FFI), Ängstlichkeit/Depression (HADS), Therapieadhärenz (Fragebogen lt. Kondryn et al. 2010, m. frdl. Einverst.), Fertilität (Leipziger Fragebogen, m. frdl. Einverst.) und Arzt-Patient-Beziehung (eigener Fragebogen). 36% (89/246) der AYAs und 33% (33/100) der Vergleichsgruppe antworteten. Nachfolgend einige Ergebnisse: 86,3% der AYAs, aber 93,8% der Älteren gaben an, sich gut informiert zu fühlen (p = 0,009). Bei Unklarheiten nutzen AYAs das Internet signifikant häufiger als Ältere. 27% der AYAs und 17% der Älteren (p = 0,009) antworteten, Ärzte „sollten lernen, bessere Gespräche zu führen.“ AYAs denken häufiger an einen Therapieabbruch (13% vs. 0%) oder die Inanspruchnahme alternativmedizinischer Heilmethoden (19% vs. 10%).

Zusammenfassung: AYAs sind eine heterogene Gruppe von Krebspatienten; unter anderem haben sie gegenüber Älteren ein höheres Informationsbedürfnis und denken häufiger über einen Therapieabbruch nach. Derzeit wird unser Gesundheitssystem den spezifischen Bedürfnissen der AYAs noch nicht so gut wie anderen Altersgruppen gerecht. Durch die kompetente Vermittlung von validen Informationen können AYA in ihrem Therapieprozess unterstützt werden. Die neuen Medien/Technologien könnten eine kostengünstige Option für neue Hilfs- und Informationsangebote darstellen.