Palliativmedizin 2014; 15 - PD288
DOI: 10.1055/s-0034-1374459

Katalog ambulant-sensitiver Notfallaufnahmen

W Schüttig 1, N Götz 2, L Sundmacher 1
  • 1Ludwig-Maximilians-Universität München, Fachbereich Health Services Management, München, Deutschland
  • 2Technische Universität Berlin, Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Berlin, Deutschland

Die Zahl der Notfallaufnahmen in deutschen Krankenhäusern ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Es entstehen erhebliche Wartezeiten für Patienten, die in Notfällen ergebnisentscheidend sein können. Diese Entwicklung lässt sich u.a. durch eine vermehrte Behandlung von Bagatellkrankheiten in Notaufnahmen erklären. Ein Großteil der Fälle von Notaufnahmen kann durch niedergelassene Ärzte oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt werden. Die Behandlung dieser Fälle trägt nicht zur Kostendeckung hoher Vorhaltekapazitäten in Notaufnahmen bei. Anhand eines Katalogs ambulant-sensitiver Notfallaufnahmen werden die Notfälle bewertet und systematisiert. Als ambulant-sensitive oder auch potentiell vermeidbare Notaufnahmen werden Fälle bezeichnet, die durch die reguläre oder notdienstliche ambulante Versorgung hätten verhindert werden können. Ein derartiger Katalog, welcher bisher weder für Deutschland noch international existiert, gibt Aufschluss über den Zugang, Qualität und Effektivität der notdienstlichen Versorgung im Krankenhaus. Die Auswahl ambulant-sensitiver Notfallaufnahmen in dieser Arbeit wurde auf Basis von Fallzahlen von Notaufnahmen und ärztlichen Bereitschaftsdiensten in Expertengruppen im Rahmen eines Delphi-Prozesses entwickelt und diskutiert. Teilnehmer der Delphi-Analyse waren 20 Ärzte aus dem ambulanten und stationären Bereich. Bereits in der ersten Delphi-Runde wurde eine Vielzahl an ICD-3-Steller Indikationen als ambulant-sensitiv identifiziert. In einer zweiten Runde wurden Indikationen, die weder 70% Zustimmung durch die Auswahl der Ärzte noch Verneinung erhielten wiederum abgefragt und aus den Ergebnissen ein umfassender Katalog ambulant-sensitiver Notaufnahmen erstellt. Perspektivisch kann durch die Verwendung des Katalogs ambulant-sensitiver Notaufnahmen eine effektivere Nutzung der Ressourcen, Verkürzung von Wartezeiten in Notfallaufnahmen und verbesserte Versorgungsqualität für Patienten ermöglicht werden.