Palliativmedizin 2014; 15 - PD289
DOI: 10.1055/s-0034-1374460

Schätzung der Inzidenz und Prävalenz von Sarkomen anhand von GKV-Routinedaten

F Trautmann 1, M Schuler 2, J Schmitt 1
  • 1Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Zentrum für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Dresden, Deutschland
  • 2Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Medizinische Klinik I, Dresden, Deutschland

Hintergrund: Sarkome bilden eine heterogene Gruppe von bösartigen Tumoren, die im Unterschied zu Karzinomen sehr selten sind. Aufgrund der speziellen Einteilung und Verschlüsselung nach Ursprungsgewebe werden sie in Krebsregistern nur unzureichend abgebildet. Inzidenzschätzungen zu Sarkomen sind in den einzelnen Regionen Europas teilweise sehr unterschiedlich. Für die zukünftige Ermittlung von Versorgungsbedarf und Behandlungsoutcomes ist es daher unabdingbar, die Erkrankungshäufigkeit aus Sekundärdaten abzuleiten.

Methodik: Basis der Auswertung bilden anonymisierte Routinedaten der AOK PLUS aller Versicherter (ca. 2,3 Mio.) aus Sachsen, die für die Jahre 2005 bis 2011 auf Versichertenebene zur Verfügung stehen. Sie umfassen Diagnose-, Rezept- und Leistungsdaten der ambulanten Versorgung. Über einen Algorithmus aus Diagnosen und Therapien wurden separat für Weichteil- sowie für Knochen- und Knorpelsarkom Patienten mit bestätigter Diagnose (ICD Code C40/C41 oder C49) ermittelt. Diese wurden weiterhin als wahrscheinliche und sichere Fälle klassifiziert. Die Inzidenz wurde anhand von bestätigten Fällen berechnet, welche in den drei vorangehenden Jahren keine Sarkomdiagnose hatten.

Ergebnisse: Unter den Versicherten gab es insgesamt 2711 Personen mit bestätigter Diagnose Sarkom. Dies entspricht einer Inanspruchnahmeprävalenz von 112,6/100.000 Versicherten im 7-jährigen Beobachtungszeitraum. 410 Patienten (15,1%) erhielten eine Chemotherapie und/oder Radiatio (sichere Fälle). Für das Jahr 2011 betrug die rohe bzw. altersstandardisierte Inzidenz 10,2/100.000 bzw. 6,9/100.000 Versicherte (WHO- Weltstandard).

Schlussfolgerung: Auch wenn die Schätzungen bisher nicht anhand von Primärdaten validiert werden können, zeigen die Ergebnisse gute Übereinstimmungen mit anderen mit Schätzungen aus Europa. Sie bilden damit die Grundlage für weitere Routinedaten-basierte Versorgungsforschung zu Sarkomen, wie z.B. regionale Versorgungsunterschiede oder Komorbiditäten.