Palliativmedizin 2014; 15 - PD291
DOI: 10.1055/s-0034-1374462

GKV-Routinedaten zeigen keine Unterschiede im kardiovaskulären Risiko zwischen Antiepileptika mit und ohne Induktion von Cytochrom P 450

S Klose 1, 2, M Schwaninger 3, F Verheyen 2, R Linder 2
  • 1Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
  • 2WINEG – Wissenschaftliches Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen, Hamburg, Deutschland
  • 3Universität zu Lübeck, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Lübeck, Deutschland

Einleitung: Einige Antiepileptika (AE) stehen im Verdacht, über die Induktion von Cytochrom P 450 das kardiovaskuläre Risiko zu erhöhen. Die vorliegende Studie untersucht auf Basis von GKV Routinedaten, inwieweit sich sowohl Versicherte mit CYP 450 induzierenden AE (GRP1) als auch Versicherte mit nicht induzierenden AE (GRP2) gegenüber nichtexponierten Versicherten (Kontrollgruppen NonU1 und NonU2) hinsichtlich der Auftretenshäufigkeit nachfolgender cerebro- und kardiovaskulärer Ereignisse unterscheiden.

Methode: Studienpopulation sind Versicherte der Techniker Krankenkasse, an welche in den Jahren 2009 bis 2012 AE abgegeben wurden. Zusätzlich wurden die beiden Kontrollgruppen über ein Propensity Score Interval Matching anhand von Alter, Geschlecht und Elixhauser-Komorbiditätsindex generiert. Neu aufgetretene cerebro- und kardiovaskuläre Ereignisse wurden über einen Zeitraum von vier Quartalen nach dem Quartal der Erstabgabe von AE beobachtet.

Ergebnisse: Die Gruppen hatten folgende Größen: GRP1: n= 241, GRP2: n= 4966, NonU1: n= 2230, NonU2: n= 22620. GRP1 zeigt im Vergleich zu GRP2 keine Risikoerhöhung für cerebro- und kardiovaskuläre Ereignisse, die Odds-Ratio (OR) beträgt 1,28, 95% KI 0,86 – 1,89, p = 0,1643. Im Kontrollgruppenvergleich ist das Risiko jeweils signifikant erhöht: GRP1 vs. NonU1: OR 3,27; 95% KI 2,16 – 4,94, p < 0,0001, GRP2 vs. NonU2: OR 2,62; KI 2,35 – 2,92, p < 0,0001.

Diskussion: Übereinstimmend mit einer zuletzt veröffentlichten Studie auf Basis von Krankenkassendaten (E. Patorno et al., J Am Heart Assoc, 2013) bedeuten CYP 450 induzierende AE im Vergleich zu nicht induzierenden AE kein erhöhtes Risiko. Gegenüber Kontrollen geht die Abgabe von AE jedoch mit einer signifikant höheren Inzidenz an cerebro- und kardiovaskuläre Ereignissen einher. Inwieweit dies durch AE oder aber die Grunderkrankung bedingt ist, bleibt offen. Die Studie unterstreicht die Eignung der GKV-Routinedaten für Fragen der Pharmakovigilanzforschung.