Palliativmedizin 2014; 15 - PD327
DOI: 10.1055/s-0034-1374497

Langzeit-Arbeitsunfähigkeit und Stufenweise Wiedereingliederung: Was wissen wir über die Folgeeffekte?

U Schneider 1, R Linder 1, F Verheyen 1
  • 1WINEG – Wissenschaftliches Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen, Hamburg, Deutschland

Fragestellung: Die stufenweise Wiedereingliederung (SWE) ist seit 1989 im SGB V verankert. Bisherige Untersuchungen zeigen positive Effekte der Maßnahme zur Reintegration in das Erwerbsleben nach längerer Arbeitsunfähigkeit (AU). Die Studie analysiert das Folgejahr nach vollständiger Rückkehr. Die Forschungsfragen beinhalten zwei Aspekte: Erstens das Matching von Teilnehmern und Nichtteilnehmern, und zweitens, die Analyse der Folgeeffekte im Jahr nach erfolgreicher Rückkehr. Es werden sozio-ökonomische Faktoren, Versichertencharakteristika und medizinische Informationen (ICD der ersten AU) berücksichtigt.

Methodik: Die Studie basiert auf Daten der Techniker Krankenkasse. Es werden (AU-) Fälle mit Beginn zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 eingeschlossen, die innerhalb von 517 Tagen zur Arbeit zurückkehren. Ausgehend hiervon wird ein Propensity Score Matching angewendet, um auf Basis von parallelisierten Gruppen Arbeitsunfähigkeiten, medizinische Inanspruchnahme und Kosten im Folgejahr zu untersuchen.

Ergebnis: Im betrachteten Zeitraum konnten 26 726 AU-Fälle (> 42 Tage) betrachtet werden, die erfolgreich zurückkehrten. Darunter befinden sich 6 702 SWE-Teilnehmer. Häufigste Diagnosen kamen aus in den ICD-Kapiteln 5 (Psychische und Verhaltensstörungen), 13 (Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes) und 19 (Verletzungen, Vergiftungen und best. andere Folgen). Nach dem Matching verblieben 6 521 Paare. Auch unter Beachtung der Ausgangsdiagnose zeigen sich keine auffälligen systematischen Unterschiede hinsichtlich weiterer AU-Fälle und Kosten zwischen Teilnehmern und Kontrollen.

Schlussfolgerung: Die SWE kann als wichtiger Bestandteil eines betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) angesehen werden. Aus Sicht einer Krankenkasse ist es dadurch möglich, langzeitkranken Erwerbstätigen den Wiedereinstieg zu erleichtern. Leistungsinanspruchnahmen zwischen Teilnehmern und Nichtteilnehmern nach der Rückkehr unterscheiden sich kaum.