Palliativmedizin 2014; 15 - PD328
DOI: 10.1055/s-0034-1374498

Bedarf von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach medizinischer Rehabilitation aus Sicht der Rehabilitationsklinik und Sozialversicherungsträger

S Jankowiak 1, R Kaluscha 1, G Krischak 1
  • 1Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm, Bad Buchau, Deutschland

Fragestellung: Die Rehabilitation, als dritte Säule im Gesundheitswesen, umfasst bei Bedarf auch Leistungen zur beruflichen Wiedereingliederung erkrankter Arbeitnehmer (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, LTA). Diese sind u.a. dann indiziert, wenn der Betroffene den Anforderungen der bisherigen Tätigkeit nicht mehr gerecht werden kann, jedoch einer anderen Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt nachgehen könnte (= gespaltenes Leistungsvermögen). Dabei besteht die Frage, wie häufig Rehabilitationseinrichtungen ein gespaltenes Leistungsvermögen feststellen und ob in Folge auch eine Empfehlung für eine LTA-Leistung ausgesprochen wird.

Methodik: Mittels anonymisierter Routinedaten der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg wurde die Häufigkeit von LTA-Empfehlungen sowie von bewilligten LTA-Anträgen in Abhängigkeit vom Vorliegen eines gespaltenen Leistungsvermögens je Rehabilitationsklinik (mit > 99 Rehabilitanden) betrachtet. Im Zuge der Auswertungen wurden Daten von 46.267 Rehabilitanden des Jahrgangs 2010 analysiert.

Ergebnis: Der Anteil der Rehabilitanden mit einem gespaltenen Leistungsvermögen variiert zwischen den Kliniken von 1,6% bis 59,8%. In dieser Gruppe erhielten 49,5% eine LTA-Empfehlung, jedoch nur 5,8% der restlichen Rehabilitanden (p < 0,0001). Während bei 40% der Rehabilitanden mit einem gespaltenem Leistungsvermögen innerhalb eines Jahres nach der Rehabilitation ein LTA-Antrag bewilligt wurde, betrug dieser Anteil bei den übrigen Rehabilitanden lediglich 5,4% (p < 0,0001).

Schlussfolgerung: Ein gespaltenes Leistungsvermögen stellt tatsächlich seitens der Rehabilitationseinrichtung und des Leistungsträgers ein Kriterium für LTA-Bedarf dar. Es bedarf jedoch noch der Aufklärung, inwieweit die hohe Schwankungsbreite bei der Feststellung eines gespaltenen Leistungsvermögens zwischen den Kliniken durch Patientenmerkmale bzw. Klinikfaktoren erklärt werden kann.