Palliativmedizin 2014; 15 - PD330
DOI: 10.1055/s-0034-1374500

Wickel und Auflagen in einer Klinik der high-tech-Medizin – geht das? Implementierung komplementärer Pflegemaßnahmen in einer Universitätsklinik

M Mascia 1, H John 2, D Steinmann 2, D Trojahn 1, A Krüger 1, B Schmeling 1, T Zielke 1, K Meier 1, G Picksak 3
  • 1Medizinische Hochschule Hannover, Pflege, Hannover, Deutschland
  • 2Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Strahlentherapie, Hannover, Deutschland
  • 3Medizinische Hochschule Hannover, Apotheke, Hannover, Deutschland

Hintergrund: Im Jahr 2011 wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover ein Projekt initiiert, in dem komplementäre Maßnahmen in der Pflege angewendet wurden. Die schwerst kranken Patienten, die in der Universitätsklinik meist mit maximaler schulmedizinischer high-tech-Medizin therapiert werden, äußern immer häufiger den Wunsch nach ganzheitlicher Behandlung, insbesondere durch Einbeziehung naturheilkundlicher Verfahren. Ziel der Untersuchung war die systematische Aufarbeitung und Evaluation der Wirksamkeit bisher angewendeter, komplementärer Pflegemethoden.

Methode: Eine interdisziplinär besetzte Projektgruppe erarbeitete nach wissenschaftlichen Kriterien 15 Pflegeempfehlungen zu komplementären, indikationsbezogenen Maßnahmen sowie einen systematischen Dokumentationsbogen zur Evaluation der Effekte dieser. In einer einjährigen Pilotphase wurden o.g. komplementäre Pflegemaßnahmen von speziell geschulten Pflegekräften auf der Palliativstation der Klinik durchgeführt und dokumentiert. Es folgte die wissenschaftliche Datenauswertung. Eine Ausweitung des Projektes auf gynäkologische und onkologische Abteilungen findet derzeit statt.

Ergebnisse: Die Hauptindikationen, bei denen komplementäre Pflegemaßnahmen eingesetzt werden, sind Atemnot, Unruhe und Schmerzen. Am häufigsten werden Fußeinreibungen und Öl-Auflagen mit qualitativ hochwertigen Aromaölen eingesetzt. Die Mehrzahl der Patienten gibt eine Linderung quälender Symptome, Entspannung oder Beruhigung an.

Fazit: Komplementäre Pflegemaßnahmen in einer Universitätsklinik einzuführen, braucht Geduld, Kommunikationsgeschick und funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit. Eine wissenschaftliche Herangehensweise fördert die Akzeptanz der Pflegemaßnahmen auch nichtpflegerischer Berufsgruppen. Die gewidmete Zeit (pro Anwendung i.d.R. nicht mehr als 5 bis 15 Minuten) und die besondere Berührungsqualität führen zu einer positiven Bindung zwischen Pflegekraft und Patienten und stärken das Vertrauen und die Zufriedenheit.