Palliativmedizin 2014; 15 - PD331
DOI: 10.1055/s-0034-1374501

Vorbereitung in der Reha auf die häusliche Versorgung bei Pflegebedürftigkeit: Bedürfnisse aus Sicht von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen sowie Bedarfe aus Sicht von Pflege-Expert(inn)en – Erste qualitative Ergebnisse aus dem Modellprojekt ProPASS

A Menzel-Begemann 1, B Klünder 1, K Wippermann 1, D Schaeffer 1
  • 1Universität Bielefeld, Fak. f. Gesundheitswissenschaften/AG Versorgungsforschung & Pflegewissenschaft, Bielefeld, Deutschland

Hintergrund: Die Rehabilitation setzt zu einem wichtigen Zeitpunkt an: nach dem Akut-Ereignis und vor der Selbstversorgung. In dieser Phase können Betroffene und Angehörige im geschützten Rahmen auf die (Selbst-)Versorgung vorbereitet werden. Denn auch für Angehörige ergeben sich erhebliche Konsequenzen. Diesen Herausforderungen können beide umso besser begegnen, je gezielter sie im Vorfeld vorbereitet werden. Dieses Ziel verfolgt das Konzept ProPASS (Probe-Wohnen, Patienten-/AngehörigenSchulung &Selbstinformations-/Selbstlernzentrum). Es basiert auf einem neuen Versorgungsmodell für den Übergang von der stationären in die häusliche Versorgung. Um die Intervention nutzerorientiert zu gestalten, wurden die Bedürfnisse der Betroffenen und pflegenden Angehörigen hinsichtlich in der Reha wünschenswerter Vorbereitungsmaßnahmen sowie die Expertensicht erfasst.

Methode: Mittels themenzentrierter Leitfaden wurden mit Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und Pflege-Expert(inn)en Interviews durchgeführt und diese bzgl. Alltagsverrichtungen, Rollen-/Werteveränderungen, Erwartungen, Herausforderungen, Konflikte, Anleitungs- und Schulungsbedarf ausgewertet.

Ergebnisse: Die Interviews verdeutlichen die mit der Selbstversorgung verbundenen Herausforderungen. Pflegebedürftige und Angehörige beschreiben die Umstellung alltäglicher Abläufe, das Zurückstellen von Gewohnheiten und eigenen Bedürfnissen sowie den emotionalen Umgang mit der Situation als enorme Anstrengung. Pflege-Expert(inn)en berichten von falschen Erwartungen, Unsicherheiten und häufigen Überforderungen.

Schlussfolgerung: Die Vorbereitung auf die häusliche Versorgung ist wichtig. Die Reha übernimmt hierbei eine wesentliche Funktion, in der Pflegehandeln, Stressbewältigung und Informiertheit zentrale Elemente zur Förderung des Selbstmanagements der Beteiligten darstellen und zur Sicherung der Versorgungsqualität sowie der Verhinderung von Pflegebedürftigkeit resp. ihrer Verschlimmerung beitragen.