Palliativmedizin 2014; 15 - PD337
DOI: 10.1055/s-0034-1374507

Wege von Patienten in die häusliche Beatmungspflege

M Ewers 1, Y Lehmann 1
  • 1Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft, Berlin, Deutschland

Fragestellung: Eine wachsende Zahl schwer chronisch kranker, invasiv beatmeter Patienten wird hierzulande im eigenen Zuhause versorgt. Wenig ist darüber bekannt, auf welchen Wegen diese Patienten in die häusliche Beatmungspflege gelangen und wie der Zugang zu dieser Form der Spezialversorgung derzeit gestaltet ist.

Methodik: 2013 wurde in Berlin-Brandenburg eine qualitativ-empirische Sondierungsstudie in Form von 15 semistrukturierten Interviews mit leitenden und für die Pflegeüberleitung zuständigen Mitarbeitern von ambulanten Spezialpflegediensten durchgeführt. Die Daten wurden variablenorientiert ausgewertet und berichtsförmig aufbereitet.

Ergebnis: Invasiv beatmete Patienten gelangen auf unterschiedlichen Wegen in die häusliche Beatmungspflege, wobei eine große Variationsbreite an Zuweisungsinstanzen und Zuweisungsgründen beobachtbar ist. Auch aktive Formen der Patientenakquise sind nicht unüblich – häufig in Verbindung mit spezialisierten klinischen Zentren oder Dienstleistungsanbietern mit industrieller Anbindung. Anekdotische Hinweise aus dem Feld auf ausgeprägte Koordinations- und Kooperationsprobleme, intransparente und ungeklärte Interessenlagen der jeweils beteiligten Akteure und Instanzen sowie ernst zu nehmende Informations- und Partizipationsdefizite wurden durch die Studie verdichtet. Die Wege der Patienten in die häusliche Beatmungspflege erscheinen aufgrund dessen vielfach als hochgradig zufallsabhängig, risikoreich und unsicher.

Schlussfolgerung: Um dem zu begegnen, sind transparente Zugangskriterien und stabile Patientenpfade zu entwickeln und zu konsentieren. Zudem bedarf es einer systematischen Fall- und Versorgungssteuerung über Sektoren-, Organisations- und Professionsgrenzen hinweg sowie angemessener Formen der Nutzerinformation und -partizipation. Aspekte der Patientensicherheit werden dabei besondere Aufmerksamkeit erfahren müssen.