Palliativmedizin 2014; 15 - PD341
DOI: 10.1055/s-0034-1374511

What's the matter? Methodologische Zugänge zum Verstehen von Menschen mit Demenz in der Versorgungsforschung Alltagserleben von Menschen mit Frontotemporaler Demenz (FTD)

SU Nover 1
  • 1Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen; Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Witten, Deutschland

Erkenntnisinteresse: FTD ist gekennzeichnet durch einen relativ frühen Krankheitsbeginn und durch besonders auffällige Verhaltensänderungen bei mangelndem Krankheitsempfinden. Erkrankte scheinen eine andere Realitätswahrnehmung zu entwickeln. Es stellen sich die Fragen, wie Menschen mit FTD ihren Alltag erleben und was sie in ihrem Handeln bestimmt.

Methodologische Fragestellungen: Erleben ist notwendig subjektiv und kann nur über diesen Zugang rekonstruiert werden. Gleichzeitig ist soziales Handeln normatives Handeln und wird so im Rahmen der gängigen Analyseverfahren interpretiert. Wie kann das Verhalten von Menschen verstanden werden, die (scheinbar) keine normativen Regeln befolgen oder neu konstruieren? Welche Erhebungs- und Auswertungsmethoden sind anwendbar, wenn die ihnen zugrunde liegenden theoretischen Annahmen nicht zutreffen?

Methodischer Zugriff: Um der Frage nach dem Alltagserleben nahe zu kommen, sind die Herausforderungen, Kommunikation zu führen und Verständnis zu erlagen, zu bewältigen.

Hier bieten sich ausschließlich offene Verfahren an. Wir haben ein ethnographisches Studiendesign entwickelt. Die Datenerhebung erfolgt multimethodial. Die Erkrankten werden im Alltag beobachtend begleitet und in der Regel im Rahmen ethnographischer Interviews befragt. Je nach Symptomatik und Krankheitsstadium kommen auch leitfadengestützte Interviews infrage. Die Sichtweisen der Angehörigen werden mit offenen Leitfadeninterviews erhoben. Die Analyse erfolgt mit Videografie, Kodierverfahren und Sequenzanalyse.

Potentiale und Herausforderungen: Die Herausforderung besteht vor allem in der Analyse von Selbstäußerungen von Menschen mit unter Umständen differierender Wahrnehmung und stark verändertem sozialen damit auch kommunikativen Handeln. Nicht nur für diesen Personenkreis, sondern allgemein für Menschen mit veränderter Wahrnehmung und Kognition sowie veränderten Emotionen ist zu fragen, wie ihre subjektive Sicht nachvollzogen und zu verstanden werden kann.