Palliativmedizin 2014; 15 - PD343
DOI: 10.1055/s-0034-1374513

Früherkennung und Begleitung von Menschen mit Demenz – zur Bedeutung der Arzt-Patientenbeziehung

M Pentzek 1, V Leve 1, S Wilm 1, HC Vollmar 1, 2
  • 1Institut für Allgemeinmedizin, Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
  • 2Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland

Fragestellung: Die enge, häufig über Jahre aufgebaute Arzt-Patientenbeziehung gilt als ein Spezifikum der allgemeinmedizinischen Versorgung und bildet die Grundlage für die erlebte Anamnese als hausärztliches Handlungsprinzip. Qualitative Untersuchungen der Versorgungsforschung für den Bereich Demenz zeigen, dass hausärztliche Einstellungen und insbesondere die enge Arzt-Patientenbeziehung Potenziale aber auch Herausforderungen bei der Erkennung und Begleitung von Menschen mit Demenz im hausärztlichen Praxisalltag bergen.

Methodik: In einer systematischen Literaturrecherche im Rahmen des CADIF-Projektes (Changing Attitudes towards Dementia In Family practice) wurden qualitative Studien zur Einstellung von Hausärzten/innen zur Demenz ermittelt. Diese wurden mittels einer Metasynthese systematisch auf Zusammenhänge zwischen Einstellungen und Verhaltensänderungen untersucht. Die Methode der Metasynthese eignet sich zur studienübergreifenden Analyse qualitativer Daten, da sie sowohl eine inter- als auch intrakontextuelle Interpretation ermöglicht. Es wurde ein offener Auswertungsansatz gewählt, der eine breite Wiedergabe der Ergebnisse der eingeschlossenen Studien anstrebt.

Ergebnis: Die Ergebnisse der Metasynthese zeigen, dass die Nähe in der Arzt-Patientenbeziehung zu einer Verzögerung der Erkennung von Demenzen führen kann. Von besonderer Bedeutung sind hier das gefestigte Bild vom Gegenüber, welches das Einholen neuer Informationen verhindert, aber auch die emotionale Nähe, die bei mangelnden Therapieoptionen zu einer Vermeidungshaltung auch auf ärztlicher Seite führen kann. Weitere einstellungsbezogene Einflussgrößen werden im Rahmen des Vortrages vorgestellt

Schlussfolgerungen: Die CADIF-Metasynthese leistet einen Beitrag, sich dem Zusammenhang zwischen hausärztlichen Einstellungen und hausärztlicher Entscheidungsfindung in der Demenzversorgung anzunähern. Das ermittelte Einstellungsmodell dient als Basis für die Entwicklung einer komplexen Intervention.