Palliativmedizin 2014; 15 - PD350
DOI: 10.1055/s-0034-1374520

„Bewegung auf Rezept? Zum Stellenwert körperlicher Aktivität in der Prävention ausgewählter tätigkeitsassoziierter Gesundheitsstörungen – eine systematische Literaturarbeit“

M Lucic 1, MA Rieger 1, HB Sturm 1
  • 1Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung, Tübingen, Deutschland

Zielsetzung und Fragestellung: Muskuloskelettale (MSE) und psychische Erkrankungen (PE) sind zentrale Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit (AU). MSE sind bei rund ein Viertel der Arbeitnehmer (Frauen 22,6%, Männer 26,1%), PE bei 13,3% der Frauen und 7,6% der Männer die Ursache für AU. Ein Teil dieser AU wird durch die berufliche Tätigkeit ausgelöst oder verschlechtert.

Dieser Literaturreview untersucht, welche Präventionsmaßnahmen nachweislich körperliche (oder psychische) Symptome im Arbeitskontext verbessern können.

Material und Methoden: Die Datenbanken PubMed- und Embase wurden u.a. mit den Keyterms “Occupations Health“, “Musculoskeletal Diseases“, “Exercise” durchsucht. Eingeschlossen wurden randomisierte oder Fall-Kontrollstudien, Längsschnittstudien mit Kontrollgruppe oder Follow-up kontrollierte Studien. Die Auswertung der Effekte erfolgte deskriptiv getrennt nach Krankheitsbildern und Berufsgruppen. Aus Platzgründen werden nur die Ergebnisse zu MSE dargestellt.

Ergebnisse: Effekte auf MSE wurden in 20 Studien (7.394 Teilnehmer) evaluiert. Die zuverlässigste Wirkung auf ME allgemein zeigten Muskelkraft- und Allroundtraining (in 10 von 12 Studien bei 2.543 TN, 68,4%). Bei Nacken- und Schulterbeschwerden waren für Büroangestellte alle Arten körperlicher Aktivität hilfreich (6 von 8 Studien mit 1812 TN, 57%), Industriearbeiter dagegen profitierten am meisten von einem Muskelkrafttraining (drei von drei Studien mit 1.149 (100%)).

Zusammenfassung: Unsere Analysen zeigen, dass körperliche Aktivität zur Prävention von muskuloskelettalen und psychischen Erkrankungen geeignet ist. Dabei können spezifische Bewegungsangebote nach Erkrankungen und Berufsgruppen differenziert werden.

Danksagung: Die Arbeit des Instituts für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung wird finanziell unterstützt durch den Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V. (Südwestmetall).