Palliativmedizin 2014; 15 - PD355
DOI: 10.1055/s-0034-1374525

Besonderheiten von Suizidenten mit physischen und psychischen Erkrankungen

S Kraus 1, M Fegg 2, C Bausewein 2
  • 1Institut für Rechtsmedizin Universität, München, Deutschland
  • 2Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin Universität, München, Deutschland

Hintergrund: Ca. 10.000 Menschen begehen jährlich in Deutschland einen Suizid. Über die Charakteristika der Suizidenten und mögliche Risikofaktoren ist wenig bekannt.

Ziel: Identifizierung von Risikofaktoren bei Personen, die sich aufgrund einer körperlichen bzw. einer psychischen Erkrankung suizidiert hatten.

Methode: Retrospektive Auswertung der Obduktionsergebnisse von Suiziden, die im Institut für Rechtsmedizin der Universität München 2009 bis 2011 untersucht wurden, sowie den polizeilichen Ermittlungsergebnissen. Die statistischen Unterschiede der beiden Gruppen wurden mittels χ2-Test berechnet.

Ergebnisse: 552/1069 Todesfälle hatten eine körperlichen Erkrankung (KE; n = 202) oder eine psychische Erkrankung (PE; n = 350). 353 (63,9%) Suizidenten waren männlich, Durchschnittsalter 56,1 Jahre (Altersspanne: 16 – 97 Jahre). Personen der Gruppe KE waren signifikant älter als Personen der Gruppe PE (68,8 Jahre vs. 48,7 Jahre, p < 0,001). Von den Betroffenen der Gruppe PE litten 62 (30,7%) an einer Tumorerkrankung, 58 (28,7%) an einem chron. Schmerzsyndrom und 25 (12,4%) an einer Lungenerkrankung. Personen mit Tumorerkrankungen (χ2 23,15, p < 0,001) hatten einer größeres Risiko für Suizid als Personen mit chron. Schmerzsyndrom (χ2 4,47, p = 0,034) bzw. Lungenerkrankung (χ2 0,95, p = 0,004). Personen aus der Gruppe PE und Personen aus der Gruppe KE mit mehr als zwei Erkrankungen hatten häufiger Suizidversuche in der Vorgeschichte (VE: χ2 18,56, p < 0,001; KE: χ2 9,69, p = 0,02). Es gab keine signifikanten Unterschiede in beiden Gruppen bezüglich der Wahl der Suizidmethode.

Zusammenfassung: Ein erheblicher Teil der Suizidenten litt an körperlichen Erkrankungen, v.a. an Tumorerkrankung. Fortgeschrittenes Lebensalter, Anzahl der körperlichen Erkrankungen und vorangegangene Suizidversuche sind Risikofaktoren für das Begehen von Suizid. Mitarbeiter der Palliativmedizin sollten sich dieser Risiken bewusst sein und entsprechende Anamneseerhebungen bei Patienten durchführen.