Rehabilitation (Stuttg) 2014; 53(03): 145
DOI: 10.1055/s-0034-1377000
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Evidenzlage in der pneumologischen Rehabilitation: COPD und Asthma bronchiale

Evidence in Rehabilitation on Pneumological Diseases: COPD and Asthma Bronchiale
F. Schliehe
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Publication Date:
12 June 2014 (online)

Bereits seit 2010 stellt die DGRW auf den Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquien regelmäßig systematische Updates zu ausgewählten Indikationen vor, die auch in dieser Zeitschrift veröffentlicht werden. Die Updates fassen den jeweiligen Entwicklungsstand eines Fachgebietes sowohl unter praktischer als auch wissensch­aftlicher Perspektive zusammen. Dabei besteht insbesondere der Anspruch, die jeweilige Evidenzlage unter Einbeziehung internationaler Studien zu verdeutlichen. In dieser Ausgabe stellt der Pneumologe Konrad Schultz ein Update zur pneumologischen Rehabilitation am Beispiel der Chronisch Obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) und des Asthma bronchiale vor. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass trotz hoher Evidenzlage die beiden Indikationen im Vergleich zu ihrer Verbreitung nur ein relativ geringes Gewicht in der medizinischen Rehabilitation einnehmen. Damit stellt sich durchaus die Frage, ob die Behandlungsmöglichkeiten für die Betroffenen ausreichend ­genutzt werden.

Besonders eindeutig wird der Evidenzgrad der pneumologischen Rehabilitation bei COPD eingeschätzt, der durch hochwertige Studien gestützt wird. Dies gilt auch für einzelne Therapiekomponenten. Bei Asthma bronchiale wird der Level zwar insgesamt etwas geringer bewertet. Die Evidenz ist aber bei wichtigen Therapiekomponenten eindeutig und auf hohem Niveau belegt. Deshalb ist auch die Nationale Versorgungsleitlinie zu dieser Indikation i. d. Fassung von 2013, die auch ein neues Behandlungsschema enthält, mit dem höchsten Evidenzgrad ausgestattet (zu weiteren Informationen zur Reha-Relevanz von Leitlinien [1]). Neben der Beurteilung der Evidenz enthält der Beitrag aktuelle statistische Daten zur Versorgungslage und wichtige, für die Praxis bedeutsame Erläuterungen zu einzelnen Therapiekomponenten für beide Indikationen. Ein Entwicklungsbedarf wird insbesondere bei Nachsorgeprogrammen gesehen.

In den weiteren Beiträgen stellen zunächst Glatz et al. Ergebnisse einer Interventionsstudie zur Patientenschulung in der kardiologischen Rehabilitation (Herzinsuffizienz) vor. Sie zeigen auf, dass das eingesetzte Schulungsprogramm nicht nur zu mehr Krankheitswissen führt, sondern auch die Fähigkeiten zum Selbstmanagement erhöht. Strukturierte Schulungsprogramme sollten deshalb in entsprechende Versorgungskonzepte eingebunden werden. Der anschließende Beitrag von Endermann berichtet über Ergebnisse eines stationären Rehabilitationsprogramms für junge Erwachsene mit Epilepsie. Er zeigt u. a. auf, dass sich die Anfallshäufigkeit reduzierte und über die Hälfte der Patienten in eine ambulante Betreuung wechseln konnten.

Ein weiterer Beitrag von Pöppl et al. setzt sich – als Teil einer multizentrischen Studie im Rahmen einer Online-Befragung – mit den Strukturen und Prozessen in der ambulanten neurologischen Rehabilitation auseinander. Trotz zunehmender Akzeptanz liegt eine flächendeckende Verfügbarkeit ihm zufolge noch nicht vor. Die Autoren sehen ein ungenutztes Potenzial besonders in der „Kontextarbeit“.

Gegenstand eines methodenorientierten Beitrags von Müller et al. ist die Überprüfung von Skalen zur Erfassung der Funktionsfähigkeit im Beruf (SE-FFB). Die Untersuchung am Beispiel von Rehabilitanden mit muskuloskelettalen Erkrankungen zeigt valide und änderungssensitive Ergebnisse, Letzteres mit Unterschieden zwischen Frauen und Männern.

Bethge et al. untersuchen in einer Studie die Umsetzung des Anforderungsprofils zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) am Beispiel ausgewählter Einrichtungen der orthopädischen Rehabilitation. Grundlage für die Empfehlung zu einem flächendeckenden Ausbau sind schriftliche Patientenbefragungen.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden in diesem Heft wieder durch einen Beitrag zur Fort- und Weiterbildung (CME) von Reibis, ­Gaede-Illig und Völler ergänzt. Er betrifft die Rehabilitation nach akutem Myokardinfarkt und gibt einen Überblick über alle relevanten Aspekte von der Reha-Diagnostik und -Behandlung bis zur beruflichen Wiedereingliederung.

Neben den aktuellen Mitteilungen und einem Leserbrief mit Antwort der Autoren zur „Hundgestützten Therapie“ (Heft 6/2013) informiert Lange über Befragungsergebnisse zur ICF-Nutzung durch Rehabilitationswissenschaftler/-innen sowie durch Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Zudem enthält der Beitrag Erläuterungen zur REHADAT-Literaturdatenbank sowie zu dem Portal ICF-Lotse.·

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