PSYCH up2date 2014; 8(06): 393-407
DOI: 10.1055/s-0034-1387374
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Theorie und Praxis der mentalisierungsbasierten Therapie (MBT) bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Sebastian Euler
,
Ulrich Schultz-Venrath
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
16. Oktober 2014 (online)

Kernaussagen
  • Die Fähigkeit zu mentalisieren, wird entwicklungspsychologisch im Rahmen früher Bindungsbeziehungen erworben.

  • Zentrale Mechanismen bei der Entwicklung eines mentalen Selbst sind die kontingente und markierte Affektspiegelung und das Spielen der Bezugspersonen mit der kindlichen Realität.

  • Eine andauernde Fehlabstimmung der Bezugspersonen mit dem Erleben des Kindes unterminiert die Entwicklung eines mentalen Selbst und die damit verbundene Fähigkeit zur Affektregulation.

  • Dies kann zur Entwicklung einer Borderline-Pathologie mit falschen und fremden Selbstanteilen führen, bei der zum Erhalt der Selbstkohärenz in bindungsrelevanten Situationen auf prämentalistische Zustände rekurriert werden muss.

  • Die MBT bietet eine Antwort auf die Paradoxie, dass jede psychotherapeutische Begegnung eine bindungsrelevante Situation darstellt, in der das Mentalisieren von Borderline-Patienten zusammenzubrechen droht, während Mentalisieren gleichzeitig Voraussetzung für eine wirksame Psychotherapie ist.

  • Die Berücksichtigung mentalisierungsfördernder Interventionen kann in jedem medizinischen und psychosozialen Kontext dazu dienen, schädigende und entwicklungshemmende Einflüsse auf Borderline-Patienten zu minimieren.