Laryngo-Rhino-Otol 2015; 94(06): 378-382
DOI: 10.1055/s-0034-1394376
Originalie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Botulinumtoxin bei funktioneller Hypersalivation – alles eine Frage der Dosis?

Botulinum Toxin in Functional Hypersalivation – All about Dosage?
A. Steffen
1  HNO-Klinik, Universität zu Lübeck, Lübeck
,
K. Hasselbacher
2  Klinik für HNO-Heilkunde, Universität zu Lübeck, Lübeck
,
N. Brüggemann
3  Klinik für Neurologie, Universität zu Lübeck, Lübeck
,
S. Heinrichs
2  Klinik für HNO-Heilkunde, Universität zu Lübeck, Lübeck
,
R. Schönweiler
4  Phoniatrie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
,
B. Wollenberg
5  Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck
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Publication History

eingereicht 22 September 2014

akzeptiert 01 October 2014

Publication Date:
01 December 2014 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Behandlung der Hypersalivation mit Injektionen von Botulinumtoxin in die Speicheldrüsen nimmt einen zunehmenden Stellenwert ein. Vor dem Hintergrund des Off-label-use und der Erfolgsaussichten ist die Dosisfrage noch ungeklärt.

Material und Methoden: Aus einem 5-Jahres-Zeitraum wurden 54 Patienten mit insgesamt 117 Behandlungssitzungen hinsichtlich der benutzten Dosierungen, ihrer beurteilten Effekte und der Nebenwirkungen retrospektiv analysiert.

Ergebnisse: Etwa 90% der Betroffenen berichten über eine Verbesserung nach der Botulinumtoxininjektion, allerdings wünschte sich ein nicht unerheblicher Anteil mehr Effekt. Im Vergleich zur erstmaligen Injektion wurde gerade bei Wiederholungsbehandlungen häufiger ein höheres Dosisschema verwendet, was zu einer höheren Zufriedenheit mit dem erreichten Effekt führte. Die wesentlichsten Komplikationen neben dem Misserfolg waren Schluckstörungen sowie ein zu zäher Speichel bei Trachealkanülenträgern. Bis auf den zu geringen Effekt wurden die berichteten Nebenwirkungen zumeist als dosisunabhängig beurteilt.

Schlussfolgerungen: Die Verwendung von Botulinumtoxin bei Hypersalivation ist als ein effektvolles und nebenwirkungsarmes Verfahren selbst bei höheren Dosierungen zu betrachten, welches aber durch verschiedene Modifikationen im Verlauf zu individualisieren ist. Ein Misserfolgsrisiko als Nichtansprechen lässt sich bisher nicht sicher vorhersagen und sollte u.a. neben der Gefahr von Schluckstörungen aufgeklärt werden, da dieses selbst bei höheren Dosen möglich ist.

Abstract

Background: The use of botulinum toxin injection in the salivary gland, is taking an increasing significance in the treatment of functional hypersalivation today. With due regard to the off -label use and the prospect of success, dosage levels are not yet standardized.

Material and methods: In a retrospective study, 54 patients resp. 117 treatments were analysed over a period of 5 years according to their dosage levels of botulinum toxin, outcome and side effects.

Results: In 90% of the cases, a reduction of saliva after botulinum toxin injections was reported, although a significant number of patients wished for an even greater effect. Compared to the first botulinum toxin injection, we therefore used a higher dosage plan in the following treatment in order to achieve better clinical results. Besides not enough saliva reduction, the main side effects were swallowing problems and thick or sticky saliva in patients with a tracheal cannula. With the exception of insufficient saliva reduction, the other described side effects were irrespective to the dosage level.

Conclusions: Botulinum toxin injection as a treatment of hypersalivation is an effective method with only minor side effects, even in increased dosage levels. Nevertheless, certain modifications according to each individual treatment are required. Possible side effects such as swallowing problems or non-responding situations should always be part of informed consent, especially as the latter is even possible for higher dosage levels.