Journal Club AINS 2014; 3(4): 230-234
DOI: 10.1055/s-0034-1396663
Leitlinien in der Praxis
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Perioperative Versorgung älterer Patienten 2014 – Eine Guideline der Association of Anaesthetists of Great Britain and Ireland

Mark Coburn
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Publication Date:
07 January 2015 (online)

Die Leitlinie „Peri-operative care of the elderly 2014“ [1] ist ein Update der Guideline der Association of Anaesthetists of Great Britain and Ireland (AAGBI) aus dem Jahr 2001 [2]. Sie dient als Rahmenwerk zur Behandlung von über 80-jährigen Patienten, die sich einer elektiven oder Notfall-Operation unterziehen müssen. Ziel ist es, die Effektivität und Effizienz der perioperativen Versorgung dieser vulnerablen Population zu verbessern. Die Guideline ist ein Konsensus-Dokument der Experten-Arbeitsgruppe der AAGBI.

Kernaussagen der Leitlinie

  • Eine wachsende Population an älteren Patienten wird zunehmend mit operativen Eingriffen versorgt.

  • Altersabhängig nimmt die physiologische Reserve ab. Diese kann durch Krankheit, kognitive Einschränkung, Gebrechlichkeit und Polypharmazie weiter reduziert sein.

  • Ältere Patienten haben nach elektiven und insbesondere nach Notfall-Eingriffen eine erhöhte Morbidität und Mortalität im Vergleich zur jüngeren Bevölkerung.

  • Eine multidisziplinäre Versorgung ältere Patienten verbessert ihr Outcome. Protokoll-basierte Behandlungspfade optimieren die Versorgung. Geriater sollten ein fester Bestandteil der Versorgung sein, unterstützt von erfahrenen Anästhesisten, Intensivmedizinern und Operateuren.

  • Durch eine zeitnahe, gute perioperative Versorgung kann man postoperative Komplikationen vermeiden.

  • Das postoperative Delir ist eine häufige Komplikation des älteren Patienten. Multimodale Interventionsstrategien werden zur Vermeidung empfohlen.

  • Die adäquate postoperative Schmerztherapie, insbesondere bei kognitiv Eingeschränkten, ist häufig unzureichend und sollte evidenzbasiert erfolgen.

  • Es sollte davon ausgegangen werden, dass der alte Patient mündig ist und weiß, welche Behandlung er möchte. Bei nicht einwilligungsfähigen Patienten sollten die Betreuungsverhältnisse möglichst früh geklärt werden um festzustellen, welche Behandlung im Interesse des Patienten ist.

  • Anästhesisten sollten in die Diskussion über den Benefit bzw. das Risiko eines Eingriffes einbezogen werden.

  • Der Evidenzgrad der perioperativen Versorgung ist weiterhin schwach mit einem dringenden Handlungsbedarf.