Gesundh ökon Qual manag 2014; 19(6): 245
DOI: 10.1055/s-0034-1397380
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zwischen Skylla und Charybdis

Silvia Jung
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Publication Date:
16 December 2014 (online)

– den zwei Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie – möchte niemand wählen. Skylla, ein Ungeheuer mit dem Oberkörper einer jungen Frau und einem Unterleib aus sechs Hunden, mit einer dreifachen Reihe Zähnen in jedem Maul, lebte – wie Charybdis – in der Straße von Messina. Jedes Meerungeheuer besetzte eine Seite der Meerenge. Charybdis soll Meerwasser eingesogen haben, um es anschließend auszustoßen. Gerieten Schiffe in den entstehenden Sog waren sie verloren. Skylla fraß jeden, der ihr zu nahe kam. Kein Wunder also, dass die beiden Meerungeheuer sprichwörtlich für eine ausweglose Situation zwischen zwei Übeln wurden.

In eine Zwickmühle kann auch geraten, wer zwischen Patientensicherheit und Kosteneffizienz entscheiden muss. Entscheiden? Dass das Wohl des Patienten höchste Priorität hat, daran besteht kein Zweifel. Am ökonomischen Denken in der Medizin hingegen schon. Wer so denkt, verkenne aber die Realität, schrieb der Arzt und Philosoph Urban Wiesing am 23. Oktober 2014 in DIE ZEIT. Und weiter: „…medizinische Leistungen entstehen nicht von selbst, sondern müssen aufwendig erbracht und finanziert werden. Überdies sind die Ressourcen immer begrenzt […]. Allein deswegen ist wirtschaftliches Denken in der Medizin geboten.“

Demnach ist kosteneffizientes Handeln im medizinischen Alltag berechtigt, die Umsetzung sollte die Sicherheit der Patienten aber nicht gefährden. Dass dem nicht immer so ist, berichten J. Schnoor und Kollegen anhand eines konkreten CIRS-Falles (s. S. 281): Eine Medikamentenumstellung reduzierte Kosten, erhöhte aber die Verwechslungsgefahr. Sicherheitsmaßnahmen zur Vermeidung von Medikationsfehlern müssen ebenfalls finanziert werden. Skylla und Charybdis stehen im Titel der Originalarbeit als „Paten“ für hohe Kosten und Verwechslungsgefahr. Vermeidet man das eine, folgt das andere.

Ich wünsche Ihnen immer den besten Weg zwischen zwei Risiken zu finden.

Ihre