Sportverletz Sportschaden 2015; 29(03): 151-156
DOI: 10.1055/s-0034-1399234
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ausrüstung, Risikobewusstsein und sicherheitsrelevantes Verhalten von Klettersteiggehern

Equipment, Risk Awareness and Safety-Relevant Behaviour of Via Ferrata Climbers
M. Faulhaber
1  Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck, Österreich
,
E. Pocecco
1  Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck, Österreich
,
E. Ritter
1  Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck, Österreich
,
H. Bilek
2  Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit, Innsbruck, Österreich
,
M. Kopp
1  Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck, Österreich
,
M. Burtscher
1  Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck, Österreich
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
28 April 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Das Begehen von Klettersteigen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die steigende Zahl der Klettersteiggeher brachte auch einen Anstieg der Unfallzahlen mit sich. Das Wissen über klettersteigspezifische Risiken und entsprechende sicherheitsrelevante Verhaltensweisen spielen zusammen mit einer adäquaten Ausrüstung und der korrekten Handhabung eine wichtige Rolle für die Sicherheit auf Klettersteigen. Ziel dieser Untersuchung war es, Informationen zur Ausrüstung, zum Wissen über klettersteigspezifische Risiken und zu sicherheitsrelevanten Verhaltensweisen sowie zur allgemeinen Risikobereitschaft von Klettersteiggehern zu sammeln.

Methodik: Im Rahmen einer Querschnittsstudie wurden mittels eines standardisierten Erhebungsbogens Daten von 332 Klettersteiggehern an verschiedenen Klettersteigen in Tirol (Österreich) erfasst. Neben soziodemografischen Daten wurden die klettersteigspezifische Ausrüstung und die Notfallausrüstung erhoben. Das Wissen zu Risiken auf Klettersteigen wurde anhand von 4 Fragen überprüft. Des Weiteren wurden sicherheitsrelevante Verhaltensweisen abgefragt und die allgemeine Risikobereitschaft abgeschätzt.

Ergebnisse: Einen Helm trugen 92 % der Befragten, wobei die Helmtragequote bei den Frauen (86 %) signifikant niedriger als bei den Männern (96 %) war. Insgesamt waren 10 % der Klettersteiggeher mit keinem oder einem nur behelfsmäßigen Klettersteigset ausgerüstet. Die Fragen zu klettersteigspezifischen Risiken wurden jeweils von durchschnittlich 46 % der Personen richtig beantwortet. Einen Partnercheck führten 76 % der Befragten vor dem Einstieg durch und 96 % gaben an, vor einem Überholvorgang die zu überholende Person anzusprechen und gegebenenfalls zu warten bis dieses Manöver an einer geeigneten Stelle möglich ist. 64 % aller Befragten gaben an, niemals ungesichert zu überholen. Die allgemeine Risikobereitschaft lag bei einem Score von 4,26 ± 1,75, wobei sich Frauen und Männer signifikant unterschieden (3,79 ± 1,37 vs. 4,53 ± 1,88).

Schlussfolgerungen: Obwohl der größte Teil der Klettersteiggeher in Tirol mit adäquater Ausrüstung unterwegs ist, könnte die Helmtragequote speziell bei Frauen optimiert werden. Klettersteiggeher sollten besser über Risiken auf Klettersteigen und das entsprechende sicherheitsrelevante Verhalten informiert werden. Präventivmaßnahmen könnten z. B. Informationstafeln an den Einstiegen der Klettersteige und breit angelegte Informationskampagnen umfassen und zur Reduktion der Unfallzahlen beitragen.

Abstract

Background: Climbing via ferrata routes is becoming more and more popular. The growing number of via ferrata climbers is associated with an increasing number of accidents. In addition to adequate equipment and its correct handling, knowledge of specific risks and safety-related behaviour play an important role for safety on via ferrata routes. The goal of this study was to collect data on equipment, via ferrata-specific risk knowledge, safety-related behaviour, and general risk-taking behaviour of via ferrata climbers.

Methods: In this survey, data of 332 climbers of different via ferrata routes in Tyrol (Austria) were collected using a standardised data entry form including socio-demographic data, the use of via ferrata-specific equipment and first aid equipment. Knowledge of via ferrata-specific risks was assayed by a questionnaire including 4 questions. Additionally, safety-related behaviour and general risk-taking behaviour of the via ferrata climbers were evaluated.

Results: 92 % of the interviewed persons were wearing a helmet and helmet use was significantly lower in females (86 %) compared to males (96 %). In total, 10 % of the via ferrata climbers used inadequate belaying equipment or no equipment at all. The 4 questions related to via ferrata-specific risks were correctly answered by an average of 46 % of the climbers. A partner check was carried out by 76 % before starting the tour. 96 % of the climbers stated they ask the climber ahead of them for the possibility to overtake and wait for a suitable and safe spot. 64 % reported that they would not pass without self-belay. General risk-taking behaviour was scored at 4.26 ± 1.75 with significant differences between female and male via ferrata climbers (3.79 ± 1.37 vs. 4.53 ± 1.88).

Conclusion: Although most of the via ferrata climbers use adequate equipment, helmet use could be optimised in females. Via ferrata climbers should be better informed of the risks of climbing via ferrata routes and safety-related behaviour. Preventive measures including information panels at the entrances of the via ferrata routes and broad information campaigns could contribute to reduce the number of accidents.