Pneumologie 2015; 69 - V120
DOI: 10.1055/s-0035-1544774

Effekte einer Rehabilitation auf die Muskelmorphologie bei Patienten mit COPD vs. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

I Heinzelmann 1, S Gehlert 2, T Welte 3, S Janciauskiene 3, K Kenn 1
  • 1Schön Klinik Berchtesgadener Land
  • 2Deutsche Sporthochschule Köln
  • 3Medizinische Hochschule Hannover

Hintergrund: Eine eigene retrospektive Analyse von Patienten mit COPD und AAT ergab, dass COPD-Patienten ihre körperliche Leistungsfähigkeit während pneumologischer Rehabilitation (PR) deutlicher verbessern konnten als vergleichbar eingeschränkte Alpha-1 Antitrypsinmangel-Patienten (AAT). Ziel dieser Untersuchung war es herauszufinden, ob sich diese unterschiedliche Trainingsanpassung in der Muskulatur abbildet.

Methodik: Je 10 Patienten mit AAT (PiZZ) und COPD (Ausschluss AAT) nahmen an der prospektiven Studie im Rahmen einer 21-tägigen stationären PR teil. Prä und post PR wurde eine Muskelbiopsie am M. vastus lateralis durchgeführt und Parameter der körperlichen Leistungsfähigkeit erhoben (6-Minuten Gehstrecke (6MWD); Maximale Leistung im Ergometerstufentest (PWR)). Das Trainingsprogramm beinhaltete ein Ausdauertraining (60% der PWR) und ein Kraftausdauertraining.

Ergebnisse: Sowohl die AAT-Patienten (56 Jahre, FEV1: 33% Soll) als auch die COPD-Patienten (62 Jahre, FEV1: 28% Soll) konnten durch die PR ihre körperliche Leistungsfähigkeit verbessern (AAT: + 29m (95% CI [6,8 – 50,3] p = 0,02), COPD: + 31 m (95% CI [0,6 – 61,8] p = 0,05). Die PWR war zu Beginn der PR in beiden Gruppen vergleichbar und verbesserte sich deutlicher in der COPD-Gruppe (+ 18,3 vs. + 8,9 Watt; Gruppenunterschied: p = 0,06). In beiden Gruppen fand ein Muskelfasershift statt; COPD-Patienten entwickelten durch das Training prozentual mehr Typ I-Fasern (+ 8,1 vs. + 0,3%, ns), AAT-Patienten hingegen mehr Typ IIA-Fasern (+ 8,9 vs. -2,2%, p = 0,05). Hybridfasern (Typ I/IIA, Typ IIA/IIX) nahmen in beiden Gruppen durch die PR ab (ns).

Fazit: Die PR führte in beiden Gruppen zwar zu einer vergleichbaren Steigerung der 6MWD, die PWR konnte jedoch in der COPD-Gruppe deutlicher verbessert werden. Das gleiche Training führte zu divergierenden Muskeladaptationen bei Patienten mit COPD vs. AAT, so dass diese Patientengruppen möglicherweise ein unterschiedliches Training benötigen, um den bestmöglichen Benefit zu erreichen.