Pneumologie 2016; 70 - P111
DOI: 10.1055/s-0036-1572263

Direkte und indirekte Kosten bei COPD: Ergebnisse der COSYCONET COPD Kohorte im Vergleich zu bevölkerungsbezogenen Kontrollen

M Wacker 1, RA Jörres 2, H Schulz 3, J Heinrich 3, S Karrasch 3, A Koch 4, A Karch 4, A Peters 5, R Leidl 1, C Vogelmeier 6 R Holle 1, für das COSYCONET-Consortium
  • 1Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum München, Comprehensive Pneumology Center Munich (Cpc-M), Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (Dzl)
  • 2Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 3Institut für Epidemiologie I, Helmholtz Zentrum München, Comprehensive Pneumology Center Munich (Cpc-M), Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (Dzl)
  • 4Institut für Biostatistik, Medizinische Hochschule Hannover
  • 5Institut für Epidemiologie II, Helmholtz Zentrum München
  • 6Klinik für Innere Medizin Sp. Pneumologie, Universität Marburg, Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (Dzl)

Hintergrund: Genaue und aktuelle Schätzungen zu den ökonomischen Folgen der COPD liegen für Deutschland nicht vor. Im Rahmen dieser Studie sollen verlässliche, aktuelle Kostendaten für verschiedene COPD-Stadien berichtet werden.

Methoden: Selbstangaben zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von 2.139 Teilnehmern der COPD-Kohorte COSYCONET wurden 1.537 lungengesunden Kontrollen (definiert als Probanden mit FEV1/FVC ≥0,7, ohne Asthma-Diagnose) aus zwei gepoolten KORA-Studien gegenübergestellt. Direkte und indirekte Kosten für das Jahr 2012 wurden aus diesen Daten berechnet und mittels multipler generalisierter linearer Regressionsmodelle analysiert. Unterschiede zwischen den COPD-Patienten der GOLD Stadien 1 – 4 und den Kontrollen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Schulbildung, Raucherstatus, BMI und Komorbiditäten wurden berücksichtigt.

Ergebnisse: COPD war signifikant mit einer erhöhten Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Verrentung assoziiert. Die jährlichen direkten Kosten waren mit € 4.441 im Stadium 1, € 5.321 im Stadium 2, € 7.801 im Stadium 3 und € 10.770 im Stadium 4 um den Faktor 2,4/2,9/4,2/5,8 im Vergleich zu den Kontrollen erhöht (alle p < 0,001). Indirekte Kosten für Teilnehmer unter 65 Jahren betrugen € 14.758 im Stadium 1, € 16.008 im Stadium 2, € 22.687 im Stadium 3 und € 33.795 im Stadium 4. Im Vergleich zu Kontrollen waren indirekte Kosten um Faktor 2,4/2,6/3,7/5,5 (alle p < 0,001) für die Stadien 1 – 4 erhöht.

Diskussion: COPD verursacht deutlich höhere gesellschaftliche Kosten als bislang angenommen, insbesondere durch Arbeitsausfall und vorzeitige Verrentung. Die Ergebnisse verdeutlichen das hohe ökonomische Potential von COPD-Präventionsmaßnahmen.

Diese Studie wurde vom Kompetenznetz Asthma und COPD unterstützt, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird (Förderkennzeichen FZK 01GI0881). Die KORA Studie wurde teilweise vom BMBF finanziert (FZK 01ET0713).