Klin Neurophysiol 2016; 47(04): 220
DOI: 10.1055/s-0037-1598171
Leserbrief zu
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erwiderung zum Leserbrief

B. Tettenborn
Further Information

Publication History

Publication Date:
13 January 2017 (online)

Für das gewissenhafte Studieren und die hilfreichen Anmerkungen bin ich dankbar. Ich möchte daher nur kurz von meiner Seite Stellung nehmen:

  1. Es ist völlig korrekt, dass die erhöhte Entladungsrate motorischer Einheiten direkt nach Eintritt der Schädigung nachweisbar ist. Ziel der Übersichtsarbeit war es, vor allem dem in der klinischen Praxis tätigen Neurologen im Alltag Hilfestellungen bei der Abklärung von Sportverletzungen zu geben. Da meiner Erfahrung nach Neurologen in der Routinediagnostik vor allem nach Spontantätigkeit suchen, resultiert diese Angabe darauf. Die spezifische Abklärung durch geschulte Neurophysiologen sollte die erhöhte Entladungsrate der motorischen Einheiten berücksichtigen.

  2. Gerade auf die Wichtigkeit des Nachweises von Spontantätigkeit im EMG haben wir an mehreren Stellen der Arbeit hingewiesen, dies gilt natürlich auch für die Art der Läsion.

  3. Die Verwendung des Begriffes „Nervenleitgeschwindigkeit“ beruht wohl auf der primär klinischen Tätigkeit und dem Alter von uns Autoren, die wir die Neurophysiologie unter diesen Namen gelernt haben. Natürlich ist jeweils die komplette Bewertung mit Nervenleitgeschwindigkeit und Amplituden gemeint. Sprachlich korrekter ist die Verwendung des Wortes Neurografie.

  4. Es ist korrekt, dass Kiloh und Nevin in ihrer Beschreibung einer Störung des N. interosseus anterior von 1952 eine Neuritis des Nerven als Ursache angenommen haben, ohne dies damals nachweisen zu können. In der Folgezeit wurde der Begriff aber mehrheitlich auch für traumatisch/mechanisch bedingte Läsionen des Nerven verwendet (siehe auch [1],[2]). Prinzipiell entspricht es meiner persönlichen Auffassung, dass Eigennamen besser vermieden werden sollten und Syndrome stattdessen nach den geschädigten anatomischen Strukturen benannt werden sollten. Auch bei den verschiedenen Hirnstammsyndromen entsprechen die heutzutage darunter subsummierten klinischen Symptomkonstellationen nur sehr selten der Beschreibung der Erstautoren, nach denen sie benannt wurden; eine anatomische Zuordnung ist auch hier angemessener. Entsprechend sollte man im vorliegenden Fall auch besser von einem N. interosseus-anterior-Syndrom sprechen und Eigennamen vermeiden.

 
  • Literatur

  • 1 Schroth G, Mattle H, Mumenthaler M. Neurologie. 13. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2012
  • 2 Bassetti H, Mumenthaler M. Neurologische Differenzialdiagnostik. 6. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2012