Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598265
Freie Vorträge – Sektion Thoraxchirurgie
Schnittstellen Pneumologie – Thoraxchirurgie – Alessandro Marra/Bremen, Wolfgang Schulte/Bonn
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Thoraxchirurgie im Alter

T Krbek
1  Lungenzentrum, Krankenhaus Bethanien Moers
,
U Kopeika
2  Thoraxchirurgie, Krankenhaus Bethanien Moers
,
C Rösel
2  Thoraxchirurgie, Krankenhaus Bethanien Moers
,
K Kambartel
1  Lungenzentrum, Krankenhaus Bethanien Moers
,
T Voshaar
3  Med. Klinik III, Pneumologie, Krankenhaus Bethanien Moers
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Die epidemiologische Entwicklung in Deutschland mit der zu erwartenden Überalterung unserer Gesellschaft und der Zunahme der Lebenserwartung um ca. 3 Lebensjahre pro Dekade stellt uns medizinisch vor neue Herausforderungen.

Über 80-jährige gesunde Menschen haben eine Lebenserwartung, die diejenige des unbehandelten Lungenkarzinoms in der Regel deutlich übersteigt.

Wir untersuchten retrospektiv 306 thoraxchirurgisch operierte Pat., wovon n = 167 jünger als 70 Jahre und 139 älter als 70 Jahre alt waren. Davon waren 23 Pat. über 80 Jahre alt. Die. postoperative Liegedauer von 10 vs. 11 Tagen war gleich. Die 30 Tage-Mortalität war in der Gruppe der unter 70-Jährigen niedriger, als in der Gruppe der Pat. Über 70 (2,4% vs. 3,6%),die 90-Tages-Mortalität in der Gruppe der älteren Patienten deutlich höher. Das 5 Jahres-Gesamtüberleben war bei den jüngeren Patienten signifikant höher (81% vs. 71%; p = 0,05).

In einer unserer prospektiven Untersuchung von 100 Pat. zeigt sich über den EORTC Fragebogen QLQ 30 die Veränderung der Lebensqualität durch die Operation bei älteren Pat. nicht unterschiedlich als in der zum Vergleich jüngeren Kontrollgruppe von Pat. unter 60 Jahre.

Zur Selektion der Pat. in hohem Alter lässt sich ein Risikoprofil über ein sorgfältiges geriatrisches Assessment erstellen (1). Die Datenlage zeigt hierbei die Bedeutung von Aktivitätslevel, kognitiver Funktion sowie Ausmaß und Qualität der Operationen. Minimalinvasive Chirurgie, parenchymsparende anatomische tumor-radikale Resektion und eine hohe Expertise in der perioperativen Versorgung senken die perioperative Morbitität und Mortalität [2].

Zukunftsweisend ist möglicherweise die Operation bei nicht-intubierten Patienten. Unsere Erfahrungen und die ersten Veröffentlichungen sind hierzu sehr ermutigend.

[1] T. Futuse, Chest 2005;127, 886 – 891

[2] S.W. Cattaneo,V. Rusch, Ann Thorac Surg 2008;85,231 – 236