Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598317
Posterbegehung – Sektion Intensiv- und Beatmungsmedizin
Pneumologische Intensivmedizin – Ute Achtzehn/Chemnitz, Jens Geiseler/Marl
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Struktur und Outcome einer respiratorischen Intensivstation RICU

K Krause
1  Med Klinik II, Ev. Klinikum Niederrhein, Ejk Oberhausen
,
G Laier-Groeneveld
1  Med Klinik II, Ev. Klinikum Niederrhein, Ejk Oberhausen
,
Y Abazed
1  Med Klinik II, Ev. Klinikum Niederrhein, Ejk Oberhausen
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. Februar 2017 (online)

 

Neue Erkenntnisse wie die nichtinvasive Beatmung ohne Sedativa, Flüssigkeitsrestriktion, Hustentechniken und Patientenorientierung verändern Struktur und Leistungen einer Intensivstation. Wir haben dies an einer respiratorischen Intensivstation (RICU) überprüft.

Die RICU verfügt über 10 – 12 Betten mit mobilen Respiratoren, kardiopulmonalem Monitoring, einem Angehörigenraum direkt auf der Station für Besuche rund um die Uhr und Badezimmer zur Erhaltung der Mobilität. Endoskopie, Sonografie sowie alle notwendigen Verfahren stehen rund um die Uhr und sofort zur Verfügung. Die Räume sind großzügig, farblich abgestimmt, mit Fernsehern und Esstischen an allen Betten.

Ergebnisse:

Von 1.1. bis 31.12.2015 wurden 300 Patienten behandelt mit einer Auslastung von 94%. 50% mit hyperkapnischer COPD bis 126 mmHg, 10% mit neuromuskuläre Erkrankung (NME), 28% mit hypoxischem Versagen (HA) und 15% zum Weaning (W).

100% wurden atmungsentlastend beatmet, im Druck- oder Volumenvorgabemodus und PEEP zwischen 0 und 4 mbar. Der pCO2 lag bei 35 ± 8 mmHg. Alle iv. Sedativa wurden abgesetzt und nur bei Bedarf gegeben. Nach 4 Tagen war die Bilanz negativ zwischen 500 und 12000 ml.

Die Mortalität betrug 21%, 21% bei COPD, 3,4% bei NME, 25% bei HA und 26% bei W, 64% davon infolge Therapiebegrenzung und 25% akut. Von den Hyperkapnischen wurden 79% normokapnisch. 84% wurden mit NIV entlassen, keiner tracheotomiert. 91% der Weaningpatienten wurden dekanüliert, 87% an die NIV transferiert und 41% mit NIV sowie 9% mit Kanüle entlassen wegen Aspiration oder Spontanatmung< 1 Stunde. Mobilität, Nahrungsaufnahme, Sprachfähigkeit und Spontanatmung waren bei allen Patienten in Vergleich zur Aufnahme gebessert.

Schlussfolgerungen:

Die RICU behandelt mehrheitlich chronische Patienten mit nichtinvasiver Beatmung und ist auf die Betreuung wacher, mobiler Patienten eingestellt. Sie transferiert Tracheotomierte an die NIV außer bei Aspiration oder kurzer Spontanatmung. Das Beatmungsziel ist atmungsentlastend. Eine Überlebensrate von 78% und eine funktionelle Verbesserung im Vergleich zur Aufnahme werden erreicht.